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13.12.1903: Eiswaffel patentiert
Himbeereis zum Frühstück? Reine Geschmackssache! Die Geschmäcker sind eben verschieden. Schon der römische Kaiser Nero hatte eiskalte Gelüste, so befahl er seinen Sklaven, Gletschereis aus den Alpen nach Rom zu schaffen. Das Gefrorene ließ Kaiser Nero mit Fruchtmark und Honig vermischen. Im 13. Jahrhundert lernte Marco Polo auf seiner Entdeckungsreise von den Chinesen, wie man im Winter Eis aus gefrorener Milch und Fruchtnektar oder Aromen wie Vanille herstellt.

Aber erst seit Erfindung des Gefrierfaches sind dem dauerhaften Eis-Vergnügen keinerlei Schmelzgrenzen mehr gesetzt. Von Aprikosen-Fruchteis, über Winterapfel bis hin zu Zimt-Milcheis - Eis wird für jeden Geschmack und in jeder Jahreszeit angerührt. Doch nicht nur auf den Inhalt, auch auf die Verpackung kommt es an:

Das Hörnchen, die Waffel, die Eistüte bietet Genuss bis zum Boden. Die Hülle aus Waffelgebäck macht das Eisvergnügen erst komplett. Und dabei sind fast so viele Geschichten über jene Erfinder der Eistüten im Umlauf wie Sorten Eis in den Eisdielen erhältlich.

Aus Verehrung der einen - oder anderen Dame

Da behauptet Mary Lou Menches, Professorin an der University of Illinois, ihr Großvater, der auf dem Jahrmarkt in St. Louis eine Konzession zum Eisverkaufen hatte, schaute während der Arbeit jungen Damen nach. Charles Menches kaufte einer seiner Angebeteten Blumen, wickelte sie zwischen eine Waffel, die er dann aufrollte wie eine Tüte. In einer anderen Waffel, die er ebenfalls aufrollte, servierte er selbigen Dame ein Eis.

So könnte es gewesen - es wird aber auch eine andere - nicht weniger romantische Version des gleichen Herrn, und sogar noch eine konkrete überliefert: Charles Menches hatte eine Schwäche für eine gewisse Estelle Bordeaux, die Tochter eines Schaufelrad-Dampfer-Kapitäns. Als sie sich in jenem heißen Sommer des Jahres 1904 Charles Menches' Eisstand näherte, musste dieser feststellen, dass er über keine einzige saubere Untertasse mehr verfügte, auf die er das Eis portionieren konnte.

Also eilte er zum Nachbarstand, an dem Ernest A. Hamwi, ein Einwanderer aus Syrien, Zalabia verkaufte. Das runde, etwa desserttellergroße Spezialwaffelgebäck aus seinem Heimatland wurde aus einem Teig mit Mehl, Zucker, Eiern, Zitronenschale und Vanillearoma in einem flachen Waffeleisen gebacken. Als der Teig goldbraun war, wurde er zu einer Waffeltüte geformt und noch im heißen und Zustand mit Fruchtcreme gefüllt.

Charles Menches kaufte eine Waffel ohne Füllung, ließ sie abkühlen, bis sie knusprig und fest war, stopfte dann das leckere Eis hinein und überreichte seine Kreation Estelle. Eine geniale Idee, die er eher aus Verlegenheit erfunden hatte und die trendbestimmend ist bis auf den heutigen Tag, denn Umstehende waren begeistert und verlangten ebenfalls das Eis auf die neue Art serviert zu bekommen.

Wem gehört die Tüte aus Waffelteig?

Gleich, nach dem die Kirmes in St. Louis zu Ende war, gründete Charles Menches den ersten Eiskrem-Waffel- und Süßwaren-Großhandel in Acron, Ohio. Dort wurden Eistüten gebacken in einem speziellen runden Waffel-Eisen, denn erfrischendes Eis im Hörnchen war fortan auf jedem Jahrmarkt im ganzen Lande heiß begehrt. Als Beweis verweist Mary Lou Menches auf die Original-Eiswaffel-Produktionsausrüstung ihres Großvaters, die heute noch im familieneigenen Ice-Cream-Parlor bei Akron im US-Bundesstaat Ohio ausgestellt ist.

Die US-Amerikaner - Erfinder der Eiswaffel! Dagegen erheben sämtliche Eiskonditoren italienischen Ursprungs zwischen Madonna di Campiglio und Manhattan Einspruch und verweisen auf das höchst amtliche US-Patent Nr. 746971. Das hatte der italienische Einwanderer Italo Marchiony am 13. Dezember 1903 für die Erfindung der Eistüte aus Waffelteig erhalten.

Aus der amerikanische Traum vom Eiswaffel-Erfinder! Ende des 19. Jahrhunderts war Italo Marchiony in die USA immigriert. Mitten in New York verkaufte er das allseits beliebte Zitroneneis von einem Schubkarren aus. Mit der Eisproduktion konnte Marchiony gar nicht so schnell nachkommen wie ihm die Köstlichkeit aus den Händen gerissen wurde.

Lästig, schwer zu transportieren und zu reinigen waren für den mobilen Eisverkäufer die Teller. So tüftelte er an einem passenden Behältnis. Aus Papier faltete er eine Tüte, wie ein Trichter zum Boden hin immer enger werdend. Später rollte und formte er noch weichen, warmen Teig zu einem Hörnchen, um die schmackhafte, aber schnell zerfließende Gaumenfreude zu halten.

Leckeres: Prototyp ungeklärt

Könnte es also sein, dass mehrere Menschen am gleichen Ort, in St. Louis, zur gleichen Zeit, dieselbe Idee an die Öffentlichkeit brachten? Diese Frage wird wohl nie eindeutig geklärt, fest steht aber, dass die Waffeltüten seit ihrem Auftauchen nicht aus der Mode gekommen sind.

Eis ist süß, kalt, erfrischend, nahrhaft und reich an Varianten und Geschmacksrichtungen. Energie wird beim Verzehr auch noch verbraucht, um die Eiskälte im Magen auf Körpertemperatur zu erhöhen. Eis ist nicht teuer und leicht zu transportieren - und die ökologische Verpackung kann man mit gutem Gewissen genießen, ohne Müll zu hinterlassen.


Autorin: Karin Jäger
   
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