Kalenderblatt dw.com
 
14.12.1911: Amundsen am Südpol
"Lieber geehrter Kommandant Scott,
da Sie aller Wahrscheinlichkeit nach der Nächste sind, welcher nach uns diesen Ort erreicht, möchte ich Sie bitten, beiliegenden Brief an König Haakon VII. zu übersenden. Falls einige der im Zelt befindlichen Gegenstände Ihnen von Nutzen sein können, so zögern Sie nicht, diese zu verwenden. Auch der Schlitten, der sich außerhalb befindet, vermag Ihnen einige Dienste zu leisten. Mit dem Ausdruck meiner Hochachtung mögen Sie auch meine Wünsche für eine glückliche Heimkehr begleiten.
Herzlichst Ihr Roald Amundsen."

Das Rennen war entschieden. Der Norweger Roald Amundsen schrieb diese Zeilen wenige Tage nach dem 14. Dezember 1911 an seinen englischen Rivalen Robert Scott, der erst einen Monat später den Südpol erreichte und dann diese Zeilen vorfand.

Zweieinhalb Jahre zuvor, am 6. April 1909: Amundsen, der schon als Kind von weiten Fahrten über das Meer geträumt hatte und fasziniert war vom ewigen Eis des Nordpols, hört schockiert die Nachricht, dass Robert Edwin Peary den Nordpol erreicht hat. Der Traum Amundsens, der erste Mensch im absoluten Norden zu sein, ist zerstört. Ein Schlag! Doch Amundsen denkt um, vom Norden nach Süden, von der Arktis zur Antarktis. Am 12. August 1910 heißt es dann: Leinen los für die "Fram".

Das Abenteuer beginnt

Das Rennen beginnt. Zwei Monate zuvor hat Robert Scott mit der ″Terra Nova″ England verlassen. Richtung Südpol. Doch dieser zeitliche Vorsprung wird bald eingeholt, der Norweger ist zudem besser ausgerüstet. Vertraut mit den kalten Temperaturen, weiß er, dass Schlittenhunde widerstandsfähiger sind als die Ponys, die die Schlitten von Scotts Expedition ziehen sollten - und letztlich endlich zu Grunde gingen.

Einfach und widerstandsfähig lautet Amundsens Grundsatz. Für das Jahr 1911 hat er trotzdem das Beste vom Besten dabei. Schlafsäcke aus Rentierfell, ein Fertigteilhaus und mehrere Zelte, vollkommen wasserdicht für eine Person mit einem verschnürbaren Sack im Inneren als doppelten Schutz.

Das eigentliche Abenteuer dieser Expedition ins weiße Unbekannte beginnt am 20. Oktober 1911. Acht Monate lang hatte Amundsen bis dahin die Gegend erkundet, war mehrfach Richtung Süden gezogen, um Lebensmittellager anzulegen und war bis zum 82. Breitengrad vorgestoßen. Die Temperaturen erreichten bis zu Minus 50 Grad und selbst Amundsen notierte in seinem Tagebuch: "Die Kälte ist größer als ich erwartet hatte. Die Hunde kommen dadurch nur langsam voran. Ich hoffe, dass Scott ebenfalls Verzögerungen hinnehmen muss."

Amundsen und seine vier Männer

Einen ersten Aufbruch des Amundsen Teams mit vier seiner entschlossensten und widerstandsfähigsten Männer Anfang September muss Amundsen abbrechen. Zu kalt und zu extrem die Stürme. Erst die ersten Seehunde und Seeschwalben im Basislager in der Walbucht auf Roosevelt Island verkünden Mitte Oktober die Wiederkehr des arktischen Frühlings.

Amundsen und seine vier Männer, vier Schlitten und 48 Hunde brechen am 19. Oktober in die weiße Wüste gen Süden auf. Jeder Schlitten schleppt 330 Kilogramm Proviant und Ausrüstung. Bei gutem Wetter macht das Team tägliche Fortschritte von bis zu 30 Kilometer. Gut einen Monat läuft alles reibungslos.

Dann der 85 Breitengrad: vor Amundsen und seinen Männern türmt sich das Schelfeis Gebirge auf. Über den Axel Heiberg Gletscher erreicht man innerhalb von vier Tagen die Höhe von gut 3.200 Metern. 24 Hunde werden getötet, sie sind hinderlich beim Fortkommen der Mannschaft.

Der Wind auf dem Hochplateau weht eisig und verschlimmert die ohnehin kalten Temperaturen noch um ein Vielfaches. Über weitere riesige Gletscher mit Firnblöcken geht es immer weiter Richtung Süden. Die Männer nennen einen besonders unwegsames Gletschergelände den "Tanzboden des Teufels". Die Skier und die Seile in der Ausrüstung erweisen sich als absolut nützlich.

Am Südpol der Erde

Und dann endlich: 14. Dezember 1911, 3.00 Uhr nachts im Licht des ewigen Eises hissen Amundsen und seine vier Begleiter die norwegische Fahne: "Geliebte Fahne, Emblem des Vaterlandes, wir errichten dich auf dem Südpol der Erde, und der Ebene, welche uns umgibt, geben wir den Namen unseres Fürsten, König Haakon VII."

Für die 1.100 Kilometer lange Strecke hatte die Expedition anderthalb Monate gebraucht. Mit Zigarren feiern die Männer ihren Triumph. Vier Tage später hinterlegt Amundsen in seinem Zelt einige Kleidungsstücke, mehrere Messinstrumente und den Brief an Scott. Dann geht es zurück zum Basislager, das die Männer sechs Wochen später unversehrt erreichen.

Scott selbst ist, als er zum Südpol kommt, völlig erschöpft. und die vergebliche Anstrengung demoralisiert sein Team vollends. Auf dem Rückmarsch geraten sie in einen Blizzard und werden Opfer der Kälte. Das Rennen ist entschieden.


Autor: Jens Teschke
   
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Ich habe alles, was ich mir erträumt habe, dann auch später gemacht.
  > Eva Mattes
> RSS Feed
  > Hilfe
In welchem Jahr wurde Karl Carstens Bundespräsident?
  1985
  1974
  1979