Kalenderblatt dw.com
 
15.12.1916: Angriff auf Verdun abgebrochen
Audio
Als das Donnern der Kanonen, das Heulen der Granaten, das harte "Tack-tack" der Maschinengewehre Mitte Dezember 1916 auf dem Schlachtfeld von Verdun erstarb, lagen 300 Tage und Nächte eines mörderischen Ringens um den entscheidenden Durchbruch durch die gegnerischen Linien hinter den deutschen und französischen Soldaten, die das Inferno überlebt hatten. Es waren nicht viele.

Hunderttausende aber - eine halbe Million, eine Dreiviertelmillion, genau weiß man es nicht - hunderttausende junger Menschen hatten ihr Leben gelassen im Festungsgürtel um Verdun, im Kampf um Fort Douaumont, um die Dörfer Fleury, Vaux, Froideterre oder Vauquois. 15.000 Kreuze stehen heute auf dem Soldatenfriedhof von Douaumont, im Beinhaus sind die Knochen von über hunderttausend Gefallenen gestapelt.

Grauenhafter Stellungskrieg

Begonnen hatte die Schlacht am 21. Februar 1916. Unter General Erich von Falkenhayn, dem Chef des Generalstabes des kaiserlichen Feldheeres, startet die deutsche Artillerie einen gewaltigen Feuerschlag gegen die französischen Befestigungen um Verdun am rechten Maasufer. Aus 1.500 Rohren feuert sie ununterbrochen Granate um Granate auf die gegnerischen Stellungen ab.

Falkenhayns Plan, durch Bindung der französischen Streitkräfte an Verdun und "Ausbluten" des Gegners die Entscheidung zugunsten des Deutschen Reiches herbeizuführen, erweist sich schon nach wenigen Tagen als schrecklicher Irrtum. Trotz kurzfristiger Anfangserfolge gelingt es nicht, die französischen Linien vor Verdun zu durchbrechen. Marschall Joffre und General Pétain stoppen die deutsche Offensive.

Ein grauenhafter Stellungskrieg beginnt. 60 Mio. detonierende Granaten bringen Tod und Verderben, Giftgasschwaden ziehen übers Schlachtfeld, im Hagel der Maschinengewehrsalven rennen Soldaten im Sturmangriff mit aufgepflanztem Bajonett auf den Gegner zu. Kaum einer erreicht unversehrt dessen Stellungsgräben, und wenn, stirbt er im erbarmungslosen Kampf Mann gegen Mann.

Mit Begeisterung in die Schlacht

Wie hatte der Kaiser Wilhelm II. in einem Aufruf ans deutsche Volk am 6. August 1914 kurz nach Kriegsbeginn getönt? Es müsse das Schwert nun entscheiden, jedes Zögern wäre Verrat am Vaterlande: "Wir werden uns wehren bis zum letzten Hauch von Mann und Ross. Und wir werden diesen Kampf bestehen auch gegen eine Welt von Feinden. Noch nie war Deutschland überwunden, wenn es einig war. Vorwärts mit Gott, der mit uns sein wird, wie er mit den Vätern war."

Und so zogen sie denn ins Feld, die deutschen Landser - mit Hurra und optimistisch, in kurzer Zeit die Französische Republik zu überrennen. Eine Stimmung, die sich im 1914/1915 entstandenen Argonnerwald-Lied widerspiegelt: "Und droht der Feind auch noch so sehr - wir Deutschen fürchten ihn nicht mehr! Ob er auch noch so stark mag sein: In uns're Stellung kommt er doch nicht 'rein!"

8,5 Mio. gefallene Soldaten

Ende 1916 wurde klar, dass der mörderische Kampf um Verdun um wenige Quadratkilometer Land den Krieg nicht entscheiden konnte. Beide Seiten waren ausgeblutet. Auch die anderen monatelangen Schlachten des "großen Krieges", wie die Franzosen den Ersten Weltkrieg nennen, die Schlachten an der Marne, der Somme und vor dem belgischen Ypern, hatten keinen entscheidenden Sieg gebracht. Den führten erst die unverbrauchten Truppen der USA herbei, die, nachdem der deutsche U-Bootkrieg auch US-amerikanische Schiffe getroffen hatte, in den Krieg auf Seiten der Entente eingetreten waren.

Am 11. November 1918 unterzeichnete das erschöpfte Deutsche Reich im Wald zu Compiègne den Waffenstillstand. Der Krieg war zu Ende. Auf seinen Schlachtfeldern waren 8,5 Mio. Soldaten verblutet.


Autor: Heinz Lummerich
   
Audio
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Wenn man vor dem Abgrund steht, dann ist der Rückschritt ein Fortschritt.
  > Friedensreich Hundertwasser
> RSS Feed
  > Hilfe
Welcher römische Kaiser ließ seine Mutter ermorden?
  Augustus
  Nero
  Caligula
  Newsletter abonnieren
  Versenden Sie virtuelle Grüße