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7.3.1946: "FDJ" gegründet
Aufbauen, die Trümmer des Zweiten Weltkriegs wegräumen, und ein neues Deutschland schaffen - unzählige Jugendlieder jener Nachkriegsjahre beschwören eine unvergleichliche Aufbruchstimmung. Die, die sie damals gesungen haben, hatten zwölf Jahre Faschismus und sechs Jahre Krieg hinter sich. Sie mussten erfahren, was Deutsche den Völkern Europas angetan hatten. Sie wollten nun etwas Besseres dagegensetzen.

Der 7. März 1946, Schwerin, das Staatstheater: die letzten Takte der Beethovenschen Egmont-Ouvertüre waren verklungen, Waldemar Borde vom Landesjugendausschuss Mecklenburg/Vorpommern trat vor die Teilnehmer der Jugendversammlung. Die Besten der Jugend des Landes, so Waldemar Borde, hätten sich zusammengefunden, um mit Hand anzulegen und mitzuhelfen, das Vaterland wiederaufzubauen. Eine überparteiliche demokratische Jugendbewegung hätte sich herausgebildet, mehrere Jugendgruppen hätten den Wunsch zum Ausdruck gebracht, nun eine eigene selbständige Jugendorganisation zu schaffen, er sagte: "Die sowjetische Administration hat uns nunmehr gestattet, die überparteiliche freie demokratische, freie deutsche Jugend aufzubauen."

Das war die Geburtsstunde der FDJ. Die Farbe Blau und das Zeichen der aufgehenden Sonne - fortan die ostdeutsche Staatsjugend schlechthin. Blaue Fahnen wehten auf den sozialistischen Großbaustellen, blauhemdgewandete FDJler arbeiteten, sangen und jubelten für den 1949 gegründeten Arbeiter- und Bauernstaat DDR. Der Enthusiasmus jener Jahre war echt.

Vereinheitlichung der Jugend

In den 40 Jahren DDR war die FDJ immer wieder in gigantische volkswirtschaftliche Vorhaben eingespannt worden. Jugendobjekte, FDJ-Initiativen, sozialistischer Wettbewerb in den Betrieben, FDJ-Brigaden in Ländern der so genannten Dritten Welt. 1957 hatte sich die FDJ als sozialistische Jugendorganisation der DDR erklärt und damals erstmals als Helfer und Kampfreserve der Partei der Arbeiterklasse bezeichnet. De facto war die FDJ nun die Jugendorganisation der SED und hatte sich weit entfernt von ihrem erklärten Gründungsprinzip der Überparteilichkeit.

Mehr und mehr ging es in der FDJ nur noch darum, die Jugendlichen auf Partei und Staat einzuschwören, öffentliche Aufmärsche und Ergebenheitskundgebungen waren an der Tagesordnung. Das funktionierte lange Zeit nahezu reibungslos, wie bei den Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der DDR, im Oktober 1974. Es sprach im Festsaal des Zentralkomitees der SED der damalige Erste Sekretär des Zentralrats der FDJ, Egon Krenz: "Mit unserem Bericht über die guten Leistungen der Jugend wollen wir der Partei der Arbeiterklasse, ihrem Zentralkomitee, dem Politbüro und dem Genossen Erich Honecker persönlich im Namen aller Mädchen und Jungen herzlich danken."

Anfang der 1980er-Jahre hatte die FDJ über zwei Millionen Mitglieder. In den Schulen trat normalerweise der ganze Klassenverband in der 8. Klasse geschlossen in die FDJ ein. Auch Kindern aus christlichen Elternhäusern stand die FDJ offen. Die Mitgliedschaft war zwar freiwillig, aber eine Nichtmitgliedschaft wurde doch als offene Verweigerung gegenüber der DDR gewertet. Letztendlich wurde man FDJler, weil es zu einer normalen DDR-Biografie eben dazugehörte.

Ein letzter Fackelzug der Blauhemden

Geradezu gespenstisch war der letzte große Auftritt der FDJ. Zum 40. Jahrestag der DDR - der Staat war bereits dabei, auseinander zu brechen – da zog zum letzten Mal ein Fackelzug der Blauhemden an der überalterten SED-Führungsriege vorbei.

Autorin: Martina Assuncao
   
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