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16.12.1900: Untergang der Gneisenau
Der Hafen von Málaga. Trügerisch kann das Wetter hier sein. Windstill und dann wieder stürmisch. Sonnenschein und kurze Zeit später ein Wetterumschwung. Doch wenige Segler, die heute hier anlegen, wissen noch, dass genau dieses unstete Wetter zu einer für die damalige Zeit großen Katastrophe führte.

Des Kaisers schwimmendes Gymnasium

Seit gut einem Monat lag die Gneisenau an jenem Sonntag, den 16. Dezember 1900 im Hafen. Jeden zweiten Tag stach sie in See, um Schießübungen abzuhalten, ansonsten diente die einstmals erste Kreuzerfregatte der Kriegsmarine seit 1890 als Schulschiff, als schwimmendes Gymnasium aber zugleich auch als schwimmende Repräsentanz für das Deutsche Kaiserreich. An Bord dieses Segel- und Dampfschiffes, angetrieben von einer 2.500 PS-Maschine mit rund 2.900 Tonnen Wasserverdrängung, waren 460 Seeleute. Die Mehrheit von ihnen Seejungen, die das milde, gar nicht winterliche Wetter fernab der Heimat genossen. Doch der 16. Dezember sollte ihr Schicksalstag werden.

Wettersturz

An diesem Morgen des 16. Dezember war es windstill, doch plötzlich am Vormittag kam, wie so oft in der Geschichte ein Wettersturz und Wind der Stärke 8 hat das Schiff gezwungen seinen Liegeplatz ungefähr eine halbe Meile vor der Seemole aufzugeben. Diese Überraschung war für die damalige Seefahrt sehr gefährlich denn mit Segeln konnte man nichts anfangen, die Maschine wurde in Gang gesetzt. Das war noch eine alte einfache Dampfmaschine und es dauerte etwa eine halbe Stunde bis sie klar wurde. Dazu kam noch, dass ein Missverständnis vorlag: der Kommandant dachte, es sei Dampf für eine genügende Umdrehungszahl vorhanden, was aber nicht der Fall war.

Der Untergang

Noch gegen 10.00 Uhr war alles ganz normal gewesen. Eine knappe Stunde später herrschte Sturm, ohrenbetäubender Lärm. Die Gneisenau treibt mit immer größerer Geschwindigkeit auf die Mole zu. Um 11.05 Uhr prallt sie dagegen, Steine dringen in den Schiffsboden, das Gebalk ächzt und stöhnt und scheint zu zerbersten. 20 Minuten später, um 11.25 Uhr sinkt das Schiff zunächst bis zur Reeling, später bis zu den Unterrahen der drei Masten. Sie sind die Rettung für einen Teil der Besatzung. In der Takelage harren sie gegen den Wind aus und können später durch den vollen Einsatz der spanischen Bevölkerung, die in der Stadt anerkannten Seeleute mit Hilfe von Seilen an Land retten. Etwa 460 Mann waren an Bord, 41 sind ertrunken. Fast die Hälfte davon waren Schiffsjungen, aber auch der Kommandant und zwei Offiziere sind dabei geblieben. Für die damalige Zeit war ein Unglück mit 41 Toten eine große Katastrophe.

Hilfsbereitschaft und Dank

Und auch die Welle der Hilfsbereitschaft von Seiten der Spanier war etwas Besonderes. Sofort stellten sie den Überlebenden des Schiffsunglücks Unterkunft, Verpflegung und Kleidung zur Verfügung. Die Toten wurden auf dem Cemetario Ingles, dem Englischen Friedhof, in Málaga beigesetzt. In Erinnerung an die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung verlieh die spanische Königin Christina 18 Tage nach dem Unglück der Stadt den Ehrentitel "sehr gastfreundlich." 1909 schenkte Deutschland der Stadt zum Dank eine eiserne Fußgängerbrücke über den Fluss Guadalmedina.

Und heute? Kaum einer in Deutschland erinnert sich an die Gneisenau und ihren fürchterlichen Untergang. In Málaga dagegen gedenkt man am 16. Dezember der Toten von 1900. Mit einer Kranzniederlegung am Ehrenmal für die Opfer der Gneisenau und einem Konzert des deutschen Marinemusikkorps.


Autor: Jens Teschke
   
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