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24.12.1871: "Aida" verspätet uraufgeführt
Ein Feldherr, ungeschlagen im Krieg, besiegt von der Liebe, eine Sklavin, die Prinzessin ist, eine Königstochter, die verschmäht wird, ein Mohrenfürst, der erobern will, ein Pharao, der siegt. Vor den Pyramiden Gizehs lieben und leiden sie- in einer Oper. Ihr Titel: Aida.

Der Vizekönig von Ägypten, Ismail Pascha, liebt die Oper. Am allerbesten gefallen ihm die Werke von Giuseppe Verdi. Etwas von ihm muss es sein zu den großen Feiern. Eine ägyptische Oper vom italienischen Großmeister. Ismail hat extra ein neues Opernhaus in Kairo bauen lassen.

Der Khedive lädt im November 1869 nämlich die ganze Welt zu sich ein und alle sollen dabei sein, wenn sein ganzer Stolz fertig wird: der Suezkanal. Aber Verdi liefert keine Auftragskompositionen, zur Kanaleröffnung muss sich der Regent mit seinem "Rigoletto" zufrieden geben.

Trotzdem setzt sich die Idee mit dem ägyptischen Stoff in Verdis Kopf fest. Auguste Mariette, Ägyptologe im Dienst des Vizekönigs, liefert eine Geschichte. Es geht um den jungen ägyptischen Feldherrn Radames. Er liebt eine Sklavin vom Hof des Pharao, die Äthiopierin Aida.

Antonio Ghislanzoni verwandelt die Geschichte in singbare Operntexte. Giuseppe Verdi legt die ganze Reife seiner Kunst in die "Aida", sie ist seine fünfundzwanzigste Oper und nur noch zwei werden ihr folgen. James Conlon, Chefdirigent der Pariser Oper und des Gürzenichorchesters in Köln, liebt dieses Werk.

James Conlon: "Es ist typisch insofern, als der Kern von Verdi immer gleich ist. Also, diese unglaubliche Expressivität und Menschlichkeit. Auf der anderen Seite hat jede Oper ihre Charakteristik. Und hier ist es das ägyptische, das man in einigen Motiven, z. B. von den Äthiopiern aus der Heimat Aidas hört."

Conlon: "Natürlich ist Aida eine Riesenoper, das hängt natürlich mit diesem ägyptischen Thema zusammen. Aber trotzdem ist das menschliche Lieben und Leiden das Hauptthema, wie bei vielen anderen italienischen, insbesondere Verdi-Opern."

Nicht nur Aida liebt Radames. Amneris, die Tochter des Pharao, will ihn ebenfalls zum Mann. Aida liebt Radames zwar, aber auch ihren Vater Amonasro, den König der Äthiopier und Erzfeind Ägyptens. Durch Aida will er ausspähen, wie er den Pharao besiegen kann.

Radames redet, aber der Verrat fliegt auf. Lebendig werden Radames und in der Grabkammer des Tempels eingemauert.

Die Premiere am 24. Dezember 1871 in der Oper von Kairo wird ein Riesenerfolg. Verspätet, denn angekündigt war das Stück schon für Januar, doch die Weltpolitik kommt dazwischen. Frankreich liegt im Krieg mit Preußen und Paris ist belagert. In Paris werden aber die Kostüme und Bühnenbilder für die glanzvolle Aida-Premiere angefertigt und es dauert fast ein Jahr, bis sie endlich ihren Zielort erreichen. Trotz Verspätung tritt Aida mit dem Tag ihrer Uraufführung einen Siegeszug an, der bis heute anhält.

James Conlon: "Ich kenne kein Land, wo Aida nicht beliebt ist. Es ist immer voll. Man kann es ruhig jedes Jahr spielen."

Und ewig wird sich das Gerücht halten, Aida sei geschrieben für die Eröffnung des Suez-Kanals. Aber das ist nur ein Gerücht.

Autorin: Catrin Möderler
   
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