Kalenderblatt dw.com
 
9.1.1908: Wilhelm Busch gestorben
So lautet das wohl berühmteste Zitat aus Wilhelm Buschs "Max und Moritz": "Ach, was muss man oft von bösen Kindern hören oder lesen! Wie zum Beispiel hier von diesen, welche Max und Moritz hießen. Die, anstatt durch weise Lehren sich zum Guten zu bekehren, oftmals noch darüber lachten und sich heimlich lustig machten!"

Lausbubenstreiche sind im Haus des Krämers Johann Friedrich Wilhelm Busch unerwünscht. Aus seinen Söhnen soll etwas werden. Sie sollen rauskommen aus dem Nest Wiedensahl bei Hannover. Weg von den Bauern, hin zu feineren Menschen. Dazu müssen sie eine erstklassige Ausbildung bekommen. Dafür arbeiten Krämer Busch und seine Frau Tag und Nacht. Mit Erfolg: Sohn Otto wird Doktor der Philosophie, Hermann wird Professor der Mathematik. Und Wilhelm, der älteste, soll eigentlich Maschinenbauer werden.

Wilhelm will anders

Wilhelm Busch besucht die Polytechnische Schule in Hannover. Er zeigt einen hellwachen, analytischen Geist. Er erkennt alle Problemstellungen und wüsste sie zu lösen. Aber er hat einfach keine Lust dazu, zumindest nicht in angewandter Ingenieurskunst. Lieber füllt er den Rand seiner Geometriehefte mit bissigen Karikaturen von Lehrern und Mitschülern. Zeichnen kann Wilhelm Busch nämlich wie kein zweiter, auch wenn er weiß, dass er keinen Unsinn machen soll.

Wilhelm Busch verlässt zum Entsetzen des Vaters Hannover. Er schreibt sich an der Kunstakademie in Düsseldorf ein. Ein Studienjahr in Antwerpen folgt. Busch kann keine künstlerische Linie finden und flüchtet sich enttäuscht zurück unter die Fittiche der besorgten Eltern. Ein ehemaliger Studienkollege lockt ihn nach München, Busch folgt dem Ruf. Er findet sich wieder im Künstlerkreis Allotria, berühmte Leute verkehren dort: Der Hofmaler Franz von Lenbach, der Architekt Wilhelm von Kaulbach, der Dirigent Hermann Levi und der Verleger Caspar Braun. Der ermuntert Busch, für seine Zeitschrift "Die Fliegenden Blätter" Bildergeschichten zu zeichnen und zu texten.

Nur auf den ersten Blick harmlos

"Max und Moritz", "Die fromme Helene", "Fips der Affe" und zahllose andere Bildergeschichten mit Untertiteln in Gedichtform bringen Wilhelm Busch den großen Durchbruch. Auf den ersten Blick sind sie niedlich, aber auf den zweiten Blick sind es bitterböse Satiren. Die Abgründe des "ach-so-beschaulichen" Spießbürgertums werden von Busch gnadenlos ans Licht gezerrt.

Quälerei und gewaltsamer Tod kommen oft vor in den Busch-Geschichten. Aufrütteln will er durch solche Stilmittel. Aber trotzdem muss Busch, der bitterböse Satiriker, zuschauen, wie seine Geschichten für den Hausschatz des deutschen Humors vereinnahmt oder für Kindergeschichten gehalten werden. Wenige verstehen seine Glossen. Bis heute finden die meisten seine Zeichnungen einfach nur herzig und seine Verse zum Schieflachen:

Rückzug vom großen Ruhm

Wilhelm Busch heiratet nie. Vor dem Ruhm zieht sich der Einzelgänger in das Provinznest seiner Kindheit zurück. Mit 76 Jahren schließt er am 9. Januar 1908 für immer die Augen. Sein Vermächtnis steht in seinen Bildern und Texten: "Das Gute, dieser Satz steht fest, ist stets das Böse, was man lässt!"


Autorin: Catrin Möderler
   
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Der Mensch ist ein sprachbegabtes Tier und wird sich immer durch das Wort verführen lassen.
  > Simone de Beauvoir
> RSS Feed
  > Hilfe
Welches Land wurde 1963 nicht in die EWG aufgenommen?
  Norwegen
  Großbritannien
  Italien
  Newsletter abonnieren
  Versenden Sie virtuelle Grüße