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25.1.1971: Idi Amin putscht
"Uganda ist das erste Land, das sogar Überschall-Frauen hat, Pilotinnen und Soldatinnen." Dies sagte der ugandische Präsident und General Idi Amin Dada vor den Vereinten Nationen, deren Delegierte in schallendes Gelächter ausbrechen. Das Lachen soll ihnen noch vergehen, aber zum Zeitpunkt der Rede ist dies ein typischer Vorfall mit dem bulligen Diktator aus Kampala, dessen Anblick allein so manchen vergessen lässt, wofür Amin auch steht und verantwortlich ist: Den Tod von mehreren 100.000 Menschen. Eine Tatsache, die heute in einem Lexikon gerade noch einen Halbsatz wert ist und die genau so viel Platz einnimmt wie die Information, dass Amin seit 1979 in Saudi-Arabien Zuflucht gefunden hat und auch dort gestorben ist.

Der Putsch

Aber der Reihe nach: Im Januar 1971 befindet sich der erste Staatspräsident des seit fünf Jahren unabhängigen Uganda, Dr. Milton Obote, in Singapur, auf einer Konferenz gegen die britische Waffenlieferungen an Südafrika. Obote gilt - wie auch sein tansanischer Kollege Nyerere - als linksorientiert und ist den Briten ein Dorn im Auge.

Ihnen ist ein anderer in Uganda weitaus sympathischer, den sie als "splendid chap" schätzen, seit er in der Einheit der "King's African Rifles" gedient hatte: Idi Amin, 1925 im Nordwesten des Landes geboren und für viele allzu lange das vermeintliche Sinnbild des gutmütigen und etwas trotteligen Befehlsempfängers.

Amin hat es bis zum Generalmajor gebracht, und als dieser greift er 1971 nach der Macht. Er nutzt die Gelegenheit von Obotes Abwesenheit, um dessen Sturz vorzubereiten: Wenn die Maschine der East African Airways in Entebbe aufsetzen würde, dann sollen Obote und ein Gutteil seiner Delegation erschossen werden. Obote wird rechtzeitig gewarnt und fliegt stattdessen nach Tansania. Idi Amins Soldaten haben in Kampala die strategisch wichtigen Plätze besetzt, Idi Amin ist an der Macht.

Idi Amin, ein Freund

Nicht nur den Briten ist dies zunächst sehr recht, sondern auch den Israelis: Sie haben Uganda seit Jahren unterstützt, haben auch die ugandische Armee ausgebildet - darunter auch Amin, der immer sein israelisches Fallschirmjäger-Abzeichen an der Uniform trägt. Auch als er die Israelis verfluchte und Hitler dafür gratulierte, Juden umgebracht zu haben.

1971 aber ist Idi Amin noch ein Freund der Israelis. Und ein wichtiger Freund dazu, denn im Gegensatz zu Obote lässt er es zu, dass Israel Waffen und andere Unterstützung über Uganda zu den Aufständischen im Südsudan transportiert. Teil der israelischen Strategie, im Rücken der feindlichen Araber eine zweite Front aufzubauen. Angeblich sind die israelischen Militärberater aktiv am Putsch Amins gegen Obote beteiligt.

Idi Amins Schreckensherrschaft in Uganda

Die Freundschaft mit Briten und Israelis dauert nicht lange: Idi Amin will von beiden Waffen in beträchtlichem Umfang, um Tansania anzugreifen, wo seine Gegner sich zu formieren beginnen. London und Jerusalem lehnen ab. So wendet Amin sich den Arabern zu, insbesondere dem libyschen Staatschef Gaddafi, der ihm jede Hilfe verspricht.

Die Israelis werden binnen kürzester Zeit des Landes verwiesen und London damit konfrontiert, dass Amin über 50.000 britische Staatsbürger aus Uganda vertreibt. Überwiegend Asiaten mit britischem Pass, aber auch Reste der britischen Kolonialzeit. Mindestens weitere 30.000 Asiaten müssen Uganda in die Nachbarländer verlassen.

Sie werden sämtlich enteignet und beraubt, nur wenige von ihnen nehmen aber körperlichen Schaden. Mit politischen Gegnern oder möglichen Konkurrenten hingegen wird kurzer Prozess gemacht. Mindestens 300.000 sollen während der Schreckensherrschaft Amins umgebracht worden sein.

1979: Das Ende von Idi Amins Diktatur

Und niemand gebietet ihm Einhalt. Die Organisation Afrikanische Einheit (OAU) zögert zunächst, ihn anzuerkennen, dann tritt Amin aus, schließlich wird er OAU-Präsident. Der einzige Staat, der die Gegner Amins aktiv unterstützt, ist Tansania, dessen Präsident Nyerere von Amin gleichwohl eine Liebeserklärung erhält: "Wenn Sie nicht ein Mann wären, dann würde ich Sie heiraten". Und der einzige, der Amin offen blamiert, ist Israel, als es 1976 in einer wagemutigen Operation die Geiseln einer nach Entebbe entführten "Air France" Maschine befreit.

Amin hingegen kann keine seiner Ankündigungen wahr machen: Er befreit nicht Jerusalem und auch nicht Südafrika, obwohl er die Weißen dort schon tröstet, man werde sie nicht töten oder "wegwerfen" oder ins Meer treiben, denn man brauche sie ja noch.

1979 ist es soweit: Obotes Anhänger sind ausreichend erstarkt, und sie erobern von Tansania kommend die ugandische Hauptstadt. Idi Amin flieht mit mehreren seiner Frauen. Unter der Bedingung, sich nicht politisch zu betätigen, nimmt ihn Saudi-Arabien auf. Am 16. August 2003 stirbt Idi Amin mit 80 Jahren an Bluthochdruck und Nierenversagen.


Autor: Peter Philipp
   
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