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26.1.1788: Australien wird Kolonie
Jedem Volk seinen Mythos, jeder Nation ihre Ursprungsgeschichte. Sie gipfelt fast immer in einem Ereignis, das dann als Nationalfeiertag erinnert und begangen wird - Australien kennt eigentlich zwei solcher Gedenktage. Einer davon ist der 1. Januar 1901, als der Bundesstaat des "Commonwealth of Australia" konstituiert wurde. Bemerkenswerter aber erscheint ein anderes Datum - und zwar deshalb, weil an diesem Tag ein Gründungs- Ereignis stattfand, bei dem nicht Helden, sondern vorwiegend kriminelle Subjekte auftraten.

Siedlung in unwirtlicher Landschaft

Wir schreiben den Januar des Jahres 1788. Unter dem Kommando des Engländers Philipp von Portsmouth traf eine Schiffsflotte in Botany Bay an der Südostküste Australiens ein. Zuvor hatte Philipps berühmter Landsmann James Cook weite Küstenstreifen des neuen Kontinents erkundet, nicht aber diesen äußerst günstigen natürlichen Hafen entdeckt.

An Bord der Schiffe befanden sich genau 1.029 Menschen, 759 davon waren Straftäter. Die englische Gerichtsbarkeit hatte sie hierher verschickt, weil die bisherigen Exilgefängnisse für Verurteilte, die amerikanischen Kolonien, gerade erfolgreich ihre Unabhängigkeit vom Mutterland erstritten hatten.

In der unwirtlichen Landschaft hier fand sich eine Alternative, und so gingen am 26. Januar Kommandant Philipp, seine Crew und seine merkwürdige Personen-Fracht von Bord. An diesem Tag wurde in Port Jackson auch die erste dauerhafte europäische Siedlung errichtet und nach dem gerade regierenden britischen Innenminister auf den Namen Sydney getauft.

Terra incognita

Von Anfang an war die neu errichtete Kolonie vor mehrere Probleme gestellt. Das erste: Wie lässt sich bei der geringen Anzahl von Marineinfanteristen die Kontrolle über die vielen Gefangenen aufrechterhalten? Bis 1852 sollte ihre Zahl auf über 150.000 anwachsen.

Das zweite Problem: Wie wird ein ganzer Kontinent erkundet und in Besitz genommen? Australien war eine "terra incognita", ein unbekanntes Land, für die Engländer war es aber auch eine "terra nullius", was hieß: eine absolute Nullnummer Öde, mehr oder minder menschenleer.

200 Jahre bis zur Versöhnung

Menschenleer? Mehr als 200 Jahre später sehen es die Australier anders, bei den Olympischen Spielen im Jahr 2000 in Sydney. Die Australier feiern nicht nur die Spiele, sondern eine Versöhnung. Mehr als 200 Jahre waren die Aborigines, die Ureinwohner Australiens, für die Kolonisatoren sprichwörtlich ein Nullfaktor geblieben. Auch später, als mehr Siedler kamen, um dem Lockruf des Goldes zu folgen.

Die Aborigines wurden als unbefugte Eindringlinge in ihrem eigenen Land betrachtet. Man verhandelte nicht mit ihnen, sie wurden mehr und mehr von ihren Wohnsitzen verdrängt, waren weitestgehend rechtlos und der Willkür der angelsächsischen Einwanderer und für viele Jahre auch der deportierten Einwanderer der Haftkolonie Australien ausgesetzt. Erst 1967 wurde ihnen nach einer Volksbefragung das Bürgerrecht zuerkannt, wenngleich die Diskriminierung im Alltag weitestgehend blieb.

Nach Cathy Freemans Olympiasieg Sieg 32 Jahre später schien es so, als würden endlich die Aborigines in die Nation aufgenommen, die 1788 ihren eigentlichen Anfang nahm.



Autor: Werner Köhne
 
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