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27.1.1967: Weltraumvertrag
Am 27. Januar 1967 wurde gleichzeitig in Washington, Moskau und London ein Abkommen unterzeichnet mit dem vollen Namen "der Vertrag über die Grundsätze zur Regelung der Tätigkeiten von Staaten bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper", kurz der "Weltraumvertrag". Im Ballsaal des Weißen Hauses verkündete Lyndon B. Johnson: "Es ist uns bisher nicht gelungen, unseren Planeten von den Werkzeugen des Krieges zu befreien. Doch selbst wenn wir dieses Ziel auf Erden noch nicht verwirklichen, so können wir doch wenigstens das Virus an der Ausbreitung hindern."

Er zielte damit verbal auf den Weltraum. Es war die Zeit des Kalten Krieges, und die Menschheit war dabei, das All zu erobern. Der erste Mensch auf dem Mond war nur noch eine Frage der Zeit. Wem aber gehört der Weltraum? Das war die nicht ohne Argwohn gestellte Frage.

Weg frei für den Weltraumvertrag

Ein Blick zurück in die 1950er-Jahre: Nachdem die US-Amerikaner den Sputnik-Schock verdaut und den russischen Vorsprung bei Großraketen mehr oder weniger aufgeholt hatten, kam es zu einer Annäherung der beiderseitigen Standpunkte. Sichtbarstes Zeichen war die Einrichtung eines ständigen Ausschusses der Vereinten Nationen zur friedlichen Nutzung des Weltraums. 25 Nationen aus Ost und West, darunter die beiden Supermächte USA und die Sowjetunion, nahmen die Arbeit 1959 auf. Dieser Ausschuss sollte die meisten Impulse für den Weltraumvertrag liefern.

Neben den Aktivitäten dieses Gremiums ist vor allem das Moskauer Teststoppabkommen vom August 1963 erwähnenswert. Dieses Abkommen untersagte nicht nur Atomversuche unter Wasser und in der Atmosphäre, sondern auch solche jenseits der Atmosphäre, sprich dem Weltraum. Damit war der Weg für den Weltraumvertrag geebnet, den über fast 100 Nationen unterzeichnet haben.

Keine Militarisierung des Alls

Soweit die Geschichte. Der Vertrag selbst ist am 10. Oktober 1967 in Kraft getreten und besteht aus einer längeren Präambel, an die sich 17 Artikel anschließen. Fast beschwörend heißt es unter anderem darin: "Die Erforschung und Nutzung des Weltraums (...) wird zum Vorteil und Interesse aller Länder ohne Ansehen ihres wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklungsstandes durchgeführt und ist eine Domäne der gesamten Menschheit. Der Weltraum einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper unterliegt nicht einer internationalen Besitznahme durch Benutzung oder Besetzung durch Beanspruchung von Hoheitsrechten."

Außerdem werden Raumfahrer als Boten der Menschheit im Weltall angesehen. Auch Ufos oder ähnlich werden in dem Text berücksichtigt. So soll jeder Vertragsstaat die anderen unterrichten, wenn sogenannte Erscheinungen das Leben und die Gesundheit der Erdbewohner gefährden könnten. Der Vertrag sieht für seine Unterzeichener auch eine Kündigungsfrist vor, sie beträgt ein Jahr.

Hauptziel des Vertragswerks war und ist es, die Militarisierung des Alls zu verhindern. In Artikel IV wird konkret darauf verwiesen, dass Kern- oder andere Vernichtungswaffen nicht in den Weltraum zu befördern sind. Demnach sind zum Beispiel Satelliten mit Atomsprengköpfen strikt untersagt.

Der Vertrag - nur ein hohles Gerüst?

Hat der Weltraumvertrag nun die Hoffungen erfüllt? Hat er es vermocht, das Virus der kosmischen Aufrüstung einzudämmen, wie es Präsident Johnson bei der Unterzeichnung im Weißen Haus versprach? Die beiden Supermächte haben in dem Vertragswerk mit Bedacht darauf hingearbeitet, ihre Lang- und Mittelstreckenraketen nicht anzutasten. Diese Projektile fliegen nicht auf einem Satellitenorbit um die Erde, sondern auf einer ballistischen Bahn von Land zu Land, oder von Kontinent zu Kontinent.

Genau so wenig verbietet der Weltraumvertrag militärischen Navigations-, Kommunikations- und Aufklärungssatelliten wie das US-amerikanische Anti-Satelliten-System. Als hohles Gerüst erwies sich der Vertrag aber besonders während der Präsidentschaft Reagens in den 1980er-Jahren. Das damals viel diskutierte SDI-Projekt versuchte die Regelungen zu umgehen. Als Schutzschild waren u. a. Röntgenlaser gedacht, die ihre nukleare Energie vom Erdboden beziehen sollten. Soweit kam es bekanntlich nicht. SDI diente lediglich als Drohkulisse gegen den Ostblock.


Autor: Oliver Ramme
   
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