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4.2.1974: Patricia Hearst entführt
"I enjoyed a normal childhood. My four sisters and I were not raised like rich people. We were priviledged or even overpriviledged - not spoiled."
"Ich hatte eine normale Kindheit. Meine vier Schwestern und ich sind nicht als reiche Leute aufgewachsen. Wir waren privilegiert, sogar mehr als das - aber nicht verwöhnt." So beschreibt Patricia Hearst, die Erbin des Hearst-Zeitungsimperiums, ihre Kindheit in einer Szene des auf ihrem Buch "Every Secret Thing - Meine eigene Geschichte" basierenden Kinofilms "Patty Hearst".

Die Entführung

Doch dann trat ein Ereignis ein, das Patty Hearsts bis dahin geführtes Leben einschneidend verändern sollte. Am 4. Februar 1974 entführte eine Gruppe von weißen und schwarzen Mitgliedern der paramilitärischen Terrorgruppe "Symbionese Liberation Army" SLA die 19-jährige Studentin aus ihrer Wohnung in Berkeley, wo sie mit ihrem Verlobten Steven Weed lebte.

Die SLA forderte von ihrem Vater, dem Sohn des Medienmagnaten William Randolph Hearst, Lebensmittel für die Armen im Wert von mehreren Millionen Dollar zur Verfügung zu stellen, was später zur Gründung der Stiftung "People in Need" - "Menschen in Not führte.

Im Untergrund

Knapp zwei Monate nach ihrer Entführung tauchte Patty Hearst wieder auf: als bewaffnete Teilnehmerin an einem Banküberfall. Auf einem von der SLA veröffentlichten Tonband erklärte Patty Hearst, dass sie jetzt den Namen Tanya trage und sich der "Symbionese Liberation Army" freiwillig angeschlossen habe.

Das Leben im Untergrund endete für sechs SLA-Mitglieder bereits im Mai 1974. Bei einer Schießerei mit der Polizei, die ihr Versteck in Los Angeles entdeckt hatte, kamen sie ums Leben.

Haft und Haftaussetzung

Im September 1975 war in San Francisco dann auch die Flucht von Patty Hearst alias Tanya zu Ende. Obwohl sie während ihres Prozesses die Angehörigen der SLA verurteilte und aussagte, sie sei von ihnen einer Gehirnwäsche unterzogen und zur Teilnahme an ihren Terrorakten gezwungen worden, wurde sie wegen bewaffneten Überfalls zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. US-Präsident Jimmy Carter ließ 1979 nach knapp 22 Monaten die Haftstrafe aussetzen.

Heute lebt Patricia Hearst Shaw im US-Bundesstaat Connecticut. Sie erfüllte sich ihren Traum, Schauspielerin zu werden - sie wirkte in Filmen und Fernsehproduktionen mit - und sie hat mehrere Bücher veröffentlicht. Die Erinnerung an die Forderung der SLA, Lebensmittel für die Armen zur Verfügung zu stellen, wird unweigerlich wach, wenn man weiß, dass Patricia Hearst-Shaw heute Essen für alte Menschen für die Organisation "Citymeals-on-Wheels" ausfährt.

Begnadigung

Patty Hearst gehörte zu den 140 Amerikanern, die der 2001 scheidende US-Präsident Bill Clinton an seinem letzten Tag im Amt begnadigte. "Ich bin zutiefst dankbar für das von den Präsidenten Clinton und Carter gezeigte Vertrauen und zugleich erleichtert, dass für mich diese Angelegenheit damit endlich abgeschlossen ist." Mit diesen Worten kommentierte Patty Hearst durch ihren Anwalt ihre Begnadigung.


Autor: Michael Kleff
   
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