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7.2.1957: Raoul Wallenberg für tot erklärt
Wie lange hat er wirklich gelebt, wann, wie und wo ist er gestorben, ermordet worden? Das Rätsel um den Todeszeitpunkt des schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg bleibt bestehen.

Wallenberg, Spross einer reichen schwedischen Familie, kommt im Sommer 1944 als Vertreter einer Firma nach Ungarn. Versehen mit einem Diplomatenpass und im Rang eines Attaches der schwedischen Gesandtschaft in Budapest beginnt er "die Situation der Juden und andere Minoritäten nachzugehen und darüber zu berichten" - so lautet sein Auftrag. Die Mission Wallenbergs vollzieht sich auf Initiative der schwedischen Regierung, die um Hilfe für die Budapester Juden gebeten worden war, unter anderem vom Jüdischen Weltkongress.

"So viele Menschen retten wie möglich"

Seit März 1944 ist Ungarn von der deutschen Wehrmacht besetzt, die zusammen mit der SS und der Gestapo die Gewalt im Land ausübt. Der ungarische Reichsvertreter Admiral Horthy ist eine Marionette Hitlers. Adolf Eichmann organisiert die Deportation ungarischer Juden in die Vernichtungslager. Bis zum Eintreffen Wallenbergs in Budapest werden 437.000 Menschen verschleppt.

Von den noch 200.000 verbliebenen Juden "so viele Menschen retten wie möglich" ist das Ziel Raoul Wallenbergs. Mit sogenannten schwedischen Schutzpässen, die er großzügig ausstellen lässt, bewahrt er Zehntausende ungarischer Juden vor der Deportation. Dabei greift er zu ungewöhnlichen Mitteln: So stoppt er einen Eisenbahnzug nach Auschwitz, hat aber lediglich fünf Schutzpässe, aber er und sein argentinischer Fahrer können die Deutschen austricksen.

Wallenberg geht auch in die Häuser der Juden von Budapest, steht ihnen bei und beruhigt sie, wenn die Kommandos der Gestapo kommen, um sie abzuholen, zu deportieren.

Bedrohung und Verschwinden

Um sein Ziel zu erreichen, hat Raoul Wallenberg die Kontakte seiner einflussreichen Familie genutzt, die wiederum auch Kontakte zum nationalsozialistischem Deutschland unterhalten - unter anderem pflegt Jakob Wallenberg, ein Onkel von Raoul Geschäfte, die der deutschen Rüstungsindustrie zu Gute kommen. Diese Verbindungen sind dem sowjetischen Geheimdienst bekannt. Zunehmend wird Raoul Wallenberg von ungarischen Gestapo-Handlangern bedroht.

Am 16. Januar 1945 wird die schwedische Regierung davon unterrichtet, Wallenberg sei in Budapest unter sowjetischem Schutz gestellt. Einen Tag später bricht er in sowjetischer Begleitung in Richtung des russischen Hauptquartiers auf. An diesem Tag werden Wallenberg und sein Chauffeur Vilmos Langfelder zum letzten Mal in Freiheit gesehen. Der damalige sowjetische Außenminister verfügt: Wallenberg und Langfelder seien sofort nach Moskau zu bringen. In der Zentrale des Moskauer Geheimdienstes verliert sich die Spur von Wallenberg.

Keine Beweise

Erst zwölf Jahre nach Kriegsende, am 7. Februar 1957, übergibt der damalige sowjetische Vize-Außenminister Andrej Gromyko dem schwedischen Botschafter in Moskau eine Erklärung, Raoul Wallenberg sei 1947 in Geheimdienst-Gefängnis an einem Herzinfarkt verstorben. Beweise gibt es keine.

2001 gesteht Alexander Jakowlew, Leiter der Rehabilitierungskommission des russischen Präsidenten ein, Wallenberg sei erschossen worden. Einiges spricht sogar für ein Weiterleben Wallenbergs nach 1947: Angeblich soll er bis 1989 in einer psychiatrischen Klinik interniert gewesen sein. Augenzeugen wollen ihn gesehen haben; auch das alles ohne Beweise.

Die schwedische Regierung bemüht sich indes weiter um Aufklärung. Erstmals wurde jetzt bekannt, dass die russische Regierung 1989 Angehörige von Wallenberg nach Moskau gebeten habe, um ihnen dort die persönlichen Hinterlassenschaften zu überreichen: Pass, Adressenkalender, Geld und ein Zigarettenetui. Nahrung für weitere Spekulationen um den rätselhaften Tod von Raoul Wallenberg.



Autorin: Doris Bulau
   
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