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11.2.1975: Thatcher Vorsitzende der Tories
In der Geschichte gilt diese Februar-Nacht als Nacht der langen Messer. In einer Kampfabstimmung gegen Edward Heath wählen die Tories die 50-jährige Chemikerin Margaret Thatcher zur Parteichefin. Die Labour-Regierung spottet: Nun brauche man sich um die nächsten Wahlen keine Sorgen mehr zu machen, mit einer Frau könnten die Konservativen doch nie gewinnen. Und auch in den eigenen Reihen wird an der neuen Chefin gezweifelt, wie damals eine Reporterin berichtet: "Die feinen Tories wagten es 1975 nicht auszusprechen, aber man sah mit großen Sorgen in die politische Zukunft. Eine Frau an der Spitze und dazu noch eine so dominierende und gebietende. Ob das gut gehen konnte?"

Gegen alle Zweifel

Doch alle unterschätzen die Konservative Thatcher. Sie sagt, dass es nicht die Sache eines Politikers sei, allen zu gefallen und führt die Partei streng. Vier Jahre später, im Mai 1979, tritt der Labour-Premier Callaghan zurück. Thatcher führt die Tories in die Neuwahlen - und gewinnt: Sie wird Labour-Chef Callaghan als Premierminister ablösen und damit erste Regierungschefin eines europäischen Landes sein.

Sie hat es allen Zweiflern gezeigt. Queen Elisabeth II. beauftragt Margaret Thatcher, eine neue Regierung zu bilden. Die hält voller Stolz ihre erste Rede als Premierministerin: "Ihre Majestät, die Queen, bat mich eine neue Regierung zu bilden. Ich habe die Aufgabe angenommen. Es ist selbstverständlich die größte Ehre, die einem Bürger in der Demokratie zu Teil werden kann. Ich kenne voll und ganz die Aufgaben, die mich erwarten, wenn ich Downing Street No. 10 betreten werde. Ich werde versuchen das Vertrauen der Briten zu rechtfertigen."

Die "Eiserne Lady"

Sie kenne ihre Aufgaben ganz genau, sagt Thatcher, und sie werde das Vertrauen der Briten rechtfertigen. Die neue Hausherrin in der Downing Street No. 10 glaubt an den uneingeschränkten Kapitalismus. Sozialismus, Brüsseler Bürokraten und Gewerkschaften sind ihr zuwider.

Durch diese Politik wird Thatcher als "Eiserne Lady" bekannt. Sie privatisiert Unternehmen - Streiks der Bergarbeiter sitzt sie einfach aus. Als Argentinien 1982 die britischen Falkland-Inseln erobert, greift Thatcher durch. Im Eiltempo schickt sie die Marine über den Atlantik. Ihr schnelles Handeln bringt ihr innenpolitisches Ansehen und Dank im Parlament.

Thatcher versichert: Sie wolle alles in ihrer Macht stehende tun für die Briten, die auf den Falkland-Inseln sind. Die Soldaten kämpfen erbittert um jeden Meter. Nach Wochen und 1000 Toten kapitulieren die Argentinier. Thatcher sitzt so fest im Sattel wie noch nie und wird noch zweimal wieder gewählt.

Ende der Thatcher-Ära

1990 streiten die britischen Konservativen über ihre Rolle in der Sozial- und der Europapolitik. Die Partei droht auseinander zu fallen. Thatcher räumt daraufhin im November ihren Stuhl als Premierministerin und Parteichefin. Zwei Jahre später wird sie zur Baroness geadelt und zieht ins Oberhaus ein. Immer wieder schimpft sie auf ihren Nachfolger John Major.

Als 2000 Maggie Thatcher 75 Jahre wurde, feierten ihre Anhänger sie als den größten britischen Premier neben Winston Churchill. Doch auch ihm fühlt sich Thatcher überlegen: Ihrer Meinung nach sind Männer in der Politik fürs Reden zuständig, Frauen dagegen tun was.

Viele Männer sprechen von einem besonderen Charme der Margaret Thatcher. In nächtlichen Runden vermag sie es immer wieder, männlichen Kollegen Versprechen abzuringen, die diese später bereuen. Sie selber stützte sich nur auf einem Mann: Dennis Thatcher, den sie 1950 heiratete: "I could not have done it without Denis. He used to be my greatest fan."



Autor: Gábor Halász
   
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