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16.2.1937: Nylon patentiert
Eigentlich ging es dem US-Amerikaner Wallace Hume Carothers gar nicht darum, ein neues Produkt zu entwickeln, denn der Chemiker war mit Leib und Seele Grundlagenforscher. Nicht die praktische Anwendung interessierte ihn, er wollte vielmehr den chemischen Grundgesetzen auf die Spur kommen.

Sein Spezialgebiet beim US-amerikanischen Chemiekonzern Du Pont war die Polymerisation, die Reaktion kleiner Moleküle zu Kunststoffen. Und die Frage, die Carothers dabei brennend interessierte: Warum lagern sich manche Moleküle zu Kunststoffen zusammen, andere dagegen nicht? Im Rahmen ihrer Arbeit stießen Carothers und sein Team dann quasi per Zufall auf ein Polymer, das sich in lange, geschmeidige Fäden ziehen ließ. Das neue Material erhielt den Namen Nylon und läutete das Zeitalter der Kunstfasern ein.

Karl-Dieter Kroh, Marketing Manager bei Du Pont Deutschland: "Bevor es Nylon gab, gab es keine synthetischen Fasern. Und mit Nylon war es das erste Mal gelungen, eine synthetische Faser zu machen und frei formen zu können. Und auch später konnten andere Fasern nur hergestellt werden, weil Nylon erfunden war. Polyester, Lycra, was es alles danach gab, basierte im Prinzip auf dem gleichen Grundsatz."

Am 16. Februar 1937 meldete Du Pont Nylon zum Patent an. Etwa ein Jahr später liefen die ersten Produkte vom Band. Dabei profitierten Industrie und Verbraucher damals wie heute vor allem von den vielseitigen Eigenschaften der Faser.

"Es ist eine sehr harte Faser, es ist ziemlich temperaturbeständig, nicht leicht entflammbar, wie damals noch Kunstseide. Sie lässt sich färben, sie ist chemisch ziemlich resistent. Es ist also eine Faser, die universell ist, und es ist nach wie vor eine der besten synthetischen Fasern überhaupt, in der Summe der Eigenschaften."

Bald nach seiner Erfindung diente Nylon also als Kunstseiden-Ersatz. Und es dauerte gar nicht lange, bis findige Ingenieure und Techniker das Nylonprodukt des Jahrhunderts entwickelt hatten: den Nylonstrumpf. Er wurde 1939 auf der New Yorker Weltausstellung erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt und war sofort die Sensation, denn er war feiner und transparenter, aber gleichzeitig strapazierfähiger als die damals gängigen Strümpfe aus Seide oder Kunstseide.

Als am 15. Mai 1940 die ersten Nylonstrümpfe über den Ladentisch gingen, prügelten sich die Amerikanerinnen fast darum. Innerhalb weniger Stunden wurden über vier Millionen Paar verkauft. Doch bald darauf verschwanden die begehrten Artikel wieder aus dem Sortiment der Läden. Der Grund: In Europa tobte der Zweite Weltkrieg.

"Und deshalb wurde dann sofort die gesamte Produktion vom zivilen Bereich weggenommen und alles in kriegswichtige Dinge eingeteilt: Fallschirmseiden, Tarnanzüge, Tarnnetze und dergleichen. Und da war es dann eingefroren, bis der Krieg zu Ende war. Allerdings hat es auch die Entwicklung sehr beschleunigt, dadurch dass es kriegswichtig war und man einen enormen Bedarf hatte, wurde praktisch alles, was man an menschlicher Kapazität hatte, Wissen, wurde dort eingesetzt, deshalb ging die Entwicklung sehr viel schneller, als später bei anderen Produkten."

Nach dem Krieg war der Nylonstrumpf dann endlich auch in Deutschland zu haben. Christel Metzger, damals Eigentümerin eines Strumpfmodenladens in Köln, erinnert sich:

"Unsere Damen waren natürlich hellauf begeistert, erstens mal war er sehr fein, hatte einen feinen Glanz, und er kam aus Amerika. Und alles, was aus Amerika kam, war ja damals zu der Zeit sehr interessant. Was natürlich nicht so angenehm war, er war erst mal sehr hoch im Preis, aber trotzdem, wer ihn haben wollte, nahm auch zu dieser Zeit den höheren Preis mit in Kauf. Und wer ihn getragen hat, war begeistert davon."

Und deshalb sind Nylonstrümpfe und -strumpfhosen wohl die berühmtesten Nylonprodukte. Geht es nach der Produktionsmenge, ist allerdings ein ganz anderer Bereich Spitzenreiter. Karl-Dieter Kroh:

"Teppichböden als Hauptanteil in Europa werden alleine von Du Pont Fasern im Wert von etwa 500 Millionen Mark hergestellt pro Jahr. Dann gibt es die hochfesten Garne, die gehen in Sicherheitsgurte, Airbags, Seile, Fischnetze, Angelschnüre und dergleichen. Dann ist der Textilbereich, das ist auch ein erhebliches Geschäft, eine ganze Menge von Sportartikeln, Sportbekleidung wird aus Nylon gemacht. Ein weiterer Bereich ist dann auch der Bereich der Zwischenprodukte, das sind Bauteile im Automobilteil, in Computern, Minimotoren, überall dort, wo man hohe Festigkeit braucht, lange Lebensdauer und einen Rohstoff, den man sehr präzise bearbeiten können muss und der eine gewisse Elastizität auch hat - überall dort wird Nylon eingesetzt."

Autorin: Ute Hänsler
   
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