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17.2.1600: Giordano Bruno verbrannt
"Was immer ich sonst war, ein Gotteslästerer war ich nicht!" Diesen Satz soll Giordano Bruno am 17. Februar des Jahres 1600 laut und deutlich ausgesprochen haben. Auf dem "Campo dei Fiori", dem Blumenmarkt in Rom, auf dem seit 1899 ein Denkmal steht, das an den freigeistigen Philosophen und Theologen erinnert, der dort am 17. Februar 1600 bei lebendigem Leibe verbrannt wurde.

Ketzerei und Gotteslästerung waren die Hauptanklagepunkte gegen Bruno vor dem Inquisitionsgericht, das ihn nach mehrjähriger Haft schließlich zum Tod in den Flammen verurteilt hatte.

Im Gegensatz zu seinem Zeitgenossen Galileo Galilei hatte Giordano Bruno die von ihm als richtig erkannte These Keplers, dass die Erde sich um die Sonne drehe und nicht umgekehrt, nicht widerrufen. Bruno aber war kein Naturwissenschaftler wie Galilei, sondern er war Philosoph und Theologe, geweihter Priester sogar. Seine theologischen Häresien, Zweifel etwa an der Trinitätslehre von Gott als Vater, als Sohn und als Heiliger Geist, kamen aus dem Inneren der Kirche und stellten somit zusätzlich einen Verstoß gegen die Gehorsamspflicht dar.

Schon früh wurde der 1548 in Nola bei Neapel geborene Bruno der Ketzerei verdächtigt. Und so ist sein ganzes akademisches Leben eine einzige Flucht vor den kirchlichen Autoritäten. Neapel, Rom, Genua, Turin, Venedig, Padua und schließlich Genf sind seine Stationen, ehe er 1583 nach London und ein Jahr später nach Paris geht. 1586 bis 1591 folgen seine deutschen Jahre mit den Stationen Marburg, Wittenberg, Prag - damals eine deutschsprachige Universität - Helmstedt und Frankfurt.

Obwohl ihn Freunde warnen, geht er 1591 nach Italien zurück. Im republikanisch gesinnten Venedig fühlt er sich vor den Häschern der Inquisition sicher. Doch nur noch knapp zwei Jahre sollte er sich seiner persönlichen Freiheit erfreuen können. Im Mai1593 wird er verhaftet und bald darauf nach Rom gebracht, wo er seine letzten Lebensjahre im Gefängnis verbringt, bis er auf dem Scheiterhaufen endet.

Nach der Urteilsverkündung hatte er den Inquisitoren stolz den Satz zugerufen: "Ihr sprecht mir mit größerer Furcht das Urteil, als ich es empfange."

Wofür hatten sie den Giordano Bruno in den Flammentod geschickt? In seinen zahlreichen Schriften tritt er gegen die mittelalterlich-scholastische Denktradition auf. Er ist also in gewisser Weise ein Rebell, dessen Neuartigkeit sich freilich mehr noch im Stil als im Inhalt wiederspiegelt. Polemik, Satire und kritische Dialoge gehören ebenso zu seinem Repertoire wie kunstvoll konstruierte Lehrgedichte.

Der knapp 400 Jahre nach Bruno ebenfalls von Rom gemaßregelte Theologe Drewermann hat eine Biografie seines großen Vorbildes verfasst. Darin lässt Drewermann seinen Protagonisten - biologisch nicht ganz korrekt - bekennen:

"Ich hatte die heilige Dreifaltigkeit, diesen Urquell allen Seins, einmal mit dem Geschlechtsteil eines spanischen Ochsen verglichen."

Als dieser ungewöhnliche Vergleich ihm vom Inquisitor vorgehalten wird, beginnt Giordano Bruno in der Version Drewermanns mit einer glänzend formulierten Verteidigungsrede, die darin gipfelt, dass der Angeklagte nicht zuletzt in der dreiteiligen Einheit des tierischen Zeugungsapparates eine tiefe und mächtige Symbolkraft der Dreieinigkeit sieht:

"(...) des Näheren erschien mir zumal die Dreizahl in dem Geheimnis der Zeugung anschaubar dargeboten in dem sichtbaren Bau der zeugenden Glieder selbst, und dies in Analogie der reinen Zeugung und Hauchung, mit welcher nach übereinstimmender Theologenmeinung der Sohn aus dem Vater und aus beiden der Geist selbst hervor gehen soll."

Ein Freigeist war dieser Giordano Bruno, der keine intellektuellen Berührungsängste kannte. Wie wenige andere trug er geistig zur endgültigen Beendigung des Mittelalters bei. Dass er selbst durch eine im Mittelalter übliche Todesstrafe aus dem Leben scheiden musste, unterstreicht seine Bedeutung. Den Berichten nach soll auf dem Scheiterhaufen kein Laut über seine Lippen gekommen sein.

Autor: Norbert Ahrens
   
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