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18.2.1943: Goebbels-Rede im Sportpalast
Joseph Goebbels: "Ich frage Euch: Wollt Ihr den totalen Krieg? [stürmische Rufe: Ja!, starker Beifall, Trampeln und Klatschen]. Wollt Ihr ihn [Rufe: Wir wollen ihn!], wenn nötig, totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt erst vorstellen können? [Stürmische Rufe: Ja!, Beifall]"

Worte aus dem Munde des Chefpropagandisten unterm Hakenkreuz Joseph Goebbels, gesprochen am 18. Februar 1943 im Berliner Sportpalast vor 14.000 Zuhörern. Diese Mischung aus geltungssüchtigem Pathos und Menschenverachtung war charakteristisch für ihn. Zweckmäßigkeit lautete seine Devise. Während Deutschland in Schutt und Asche lag und der Zweite Weltkrieg entschieden war, versuchte Goebbels ein letztes Mal den Mythos von der Volksgemeinschaft zu beschwören.

Die Rede vor 14.000 geladenen Zuhörern im Berliner Sportpalast war ein inszeniertes Schauspiel - gedacht für die zeitversetzte Ausstrahlung im Rundfunk und in der Deutschen Wochenschau. Die Idee dafür hatte Goebbels bereits im Oktober 1942, als sich die militärische Niederlage bei Stalingrad abgezeichnet hatte. Begeisterung sollte nicht nur bei den Hörern zu Hause hergestellt werden, sondern auch bei den Soldaten an der Front. Wobei Goebbels die Anwesenden als repräsentativen Querschnitt durch die Gesellschaft bezeichnete:

Joseph Goebbels: "Ich habe nun heute zu dieser Versammlung einen Ausschnitt des ganzen deutschen Volkes im besten Sinne des Wortes eingeladen. Vor mir sitzen reihenweise deutsche Verwundete von der Ostfront, Bein- und Armamputierte. (...) Hinter ihnen erhebt sich ein Block von Rüstungsarbeitern und -arbeiterinnen, aus den Berliner Panzerwerken.[Heilrufe]"

Es war der Erfolg des akustischen Mediums, das die Hörer in seinen Bann zog. Ein ungeheures Medienereignis für die damalige Zeit, das seine suggestive Wirkung durch vermeintliche Unmittelbarkeit und Live-Charakter erzielte. Die Rede wurde ja nicht direkt gesendet, sondern aufgezeichnet und zeitversetzt am Abend über die Äther verbreitet.

Der Durchhaltewillen der Angepassten, Halbverstrickten und Denunzianten, das mörderische Streben Deutschlands fanden hier ihren Ausdruck. Schließlich sorgte Goebbels für Nachbesserung etwa beim Beifall, damit im In- und Ausland die gewünschte Wirkung eintrat. Vor allem aber versuchte Goebbels die Neutralen und die westlichen Alliierten durch die Betonung der bolschewistischen Gefahr zum gemeinsamen Kampf zu bewegen. Und er trieb die Hetze gegen die Juden voran:

Joseph Goebbels: "... [so kann uns das nicht daran hindern, das Notwendigste zu tun.] Deutschland jedenfalls hat nicht die Absicht, sich dieser jüdischen Bedrohung zu beugen, sondern vielmehr die, ihr rechtzeitig, wenn nötig unter vollkommener und radikalster Ausrottung des Judentums entgegenzutreten! [Starker Beifall, wilde Rufe, Gelächter]."

Darüber hinaus wollte Goebbels seine Stellung innerhalb der NS-Führungsgruppe verbessern: In den 1930er Jahren war Goebbels eher eine Randfigur. Vor allem bei Entscheidungen und Ereignissen, die dem Beginn des Zweiten Weltkrieges vorausgingen, spielte Goebbels nur eine Nebenrolle. Gleichwohl wurde er im In- und Ausland als wichtigster Repräsentant des NS-Regimes wahrgenommen.

Ihm blieb es vorbehalten, den Führerkult zu propagieren, den terroristischen Charakter des NS-Regimes mit der Vision von der Volksgemeinschaft massenwirksam zu gestalten. Goebbels stand abseits der Macht und war über die Propaganda mit ihr verbunden.

Joseph Goebbels: "Wir müssen nur die Entschlusskraft aufbringen, alles seinem dienste unterzuordnen; das ist das Gebot der Stunde! Und darum lautet von jetzt ab die Parole: Nun, Volk, steh' auf - und Sturm, brich los! [Stürmische Heilrufe]"

Im Ausland fand die Rede ein geteiltes Echo. Hitler bezeichnete sie als eine propagandistische Meisterleistung. Ein Menetekel aus Faszination und subtiler Gewalt. Und wann hatte Goebbels besser an Nationalgefühl appelliert, an Hoffnungsbereitschaft und Durchhaltewillen von Millionen als im Berliner Sportpalast?

Autor: Michael Marek
   
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