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19.2.1473: Kopernikus geboren
Rom 1835, die Vatikanische Bibliothek. Es fällt nicht leicht, einen jahrhundertealten Streit zu beenden. Doch Papst Gregor XVI. greift zur Feder und gesteht den Fehler seiner Vorgänger ein. Zu offenbar hat die Wahrheit gesiegt, ist die Wahrheit zum tragenden Fundament all unseres Wissens um das Weltall geworden.

Knapp 300 Jahre nach der Veröffentlichung des Buchs "Revolutionibus Orbium Coelestium" wird das Werk vom Index der ketzerischen Bücher genommen. Sonne, Mond und Sterne, darum ging es in "Revolutionibus Orbium Coelestium", also dem Buch über die "Umläufe der Himmelskörper". Und vor allem um die Beziehung der Erde zu diesen Gestirnen.

Als Nikolaus Kopernikus am 19. Februar 1473 geboren wurde, befand sich die Welt bereits im Umbruch. Die Renaissance in Italien führte zu einer Wiederentdeckung der antiken Schriften. Folge war die Abkehr von der mittelalterlichen scholastischen Weltanschauung.

Die Entdeckung Amerikas 1492, die Erfindung des Kompasses und der Humanismus eines Erasmus von Rotterdam machen den Übergang vom 15. ins 16 Jahrhundert zur, wie es Stefan Zweig nennt, "Schicksalsstunde Europas." Plötzlich ist die Erde keine Scheibe mehr. Martin Behaims erster runder Globus aus dem Jahr 1490 ist nicht mehr "unchristliche Hypothese und Narrenwerk", sondern Realität.

Und bald sollte Nikolaus Kopernikus die Welt noch viel stärker erschüttern. Nikolaus Kopernikus sollte zum Reformator der Astronomie werden. In Krakau begann er 1491 das Studium der obligatorischen freien Künste, die damals an den Universitäten gelehrt wurden und die Voraussetzung für jedes weitere Studium waren. Es folgte dann das Studium der Theologie und der Medizin in Padua. 1503 wurde er zum Doktor des Kirchenrechts promoviert. Und immer intensiver schaut er in den Sternenhimmel.

Durch Schlitze im Dach seines Turmzimmers im Dom zu Frauneburg verfolgte er die Himmelsbahnen der Sterne. 1514 schenkt er nur seinen engsten Freunden die "Commentariolus", den ersten Entwurf seines Weltsystems. Nur heimlich konnte er diese Gedanken und Beobachtungen mitteilen, denn das Werk kumuliert in zwei revolutionären Sätzen:

"Die Erde ist nicht der Mittelpunkt der Welt, sondern nur der der Schwere und des Mondbahnkreises. Alle Bahnkreise umgeben die Sonne, als stünde sie in der Mitte, und daher liegt der Mittelpunkt der Welt in Sonnennähe."

Eine gefährliche, eine ketzerische Aussage im Jahre 1514. Die Erde wird von Kopernikus entthront, bis dahin lebte man in der festen Überzeugung, dass die Erde der Mittelpunkt des Weltalls sei. Das Weltbild des Ptolemäus gerät ins Wanken und damit auch das Dogma der Kirche, die unter Berufung auf die Bibel, den Standort der Erde eindeutig auf den Mittelpunkt des gesamten Kosmos festlegt.

Mit Kopernikus wird aus dem geozentrischen ein heliozentrisches Weltbild. Fieberhaft arbeitet er an einer einwandfreien Beweisführung seiner Thesen und Beobachtungen. Wörtlich bis zu seinem Todestag, dem 24. Mai 1543, braucht er, denn an diesem Tag erscheint das erste Exemplar seines sechsbändigen Werks "De revolutionibus orbium coelestium."

Auch hier lautet die Kernaussage: "Alle Planeten, auch die Erde, drehen sich um die Sonne, die den Mittelpunkt des Universums darstellt." Erst nach und nach setzt sich dieses Weltbild durch. Die Kirche wehrt sich vehement gegen die neue Weltsicht und verweist auf Fehler in Kopernikus Berechnungen.

Galileo Galilei musste noch 1633 seine weiteren Beweise für die kopernikanische Lehre unter Androhung der Inquisition widerrufen. Erst Issac Newton gelingt es 1687 eine physikalische Grundlage für die Bewegung der Planeten um die Sonne als Gravitationszentrum zu schaffen. Und 1835 akzeptiert auch die katholische Kirche den einstigen Irrglauben des Nikolaus Kopernikus.

Autor: Jens Teschke
   
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