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24.2.1955: Bagdadpakt gegründet
"Amerikanische Generäle und Admiräle reisen in die Türkei; sie halten kriegerische Reden und demonstrieren ihre Stärke mit Besuchen von Marinegeschwadern." So wetterte Nikita Chrustschow Ende 1955 vor dem Obersten Sowjet in einer außenpolitische Rede, die sich besonders mit dem Nahen und Mittleren Osten befasste und den Versuchen der Vereinigten Staaten, in dieser Region ein anti-sowjetisches Militär-Bündnis aufzubauen.

Bündnisse

Monate zuvor, am 24. Februar 1955, hatten die Türkei und der Irak ein Verteidigungsbündnis unterschrieben - den sogenannten Bagdadpakt, dem sich in den folgenden Monaten der Iran, Pakistan und Großbritannien anschlossen. Die Kritik aus Moskau kam nicht von ungefähr: Ankara und Islamabad hatten bereits 1954 ein Abkommen über strategische Zusammenarbeit geschlossen, und es war mehr als offensichtlich, dass im Hintergrund die USA und in geringerem Maße Großbritannien standen, die dabei waren, eine weltweite Front gegen die Sowjetunion aufzubauen: Im Westen die NATO, weiter im Osten der Südostasienpakt SEATO und im Nahen und Mittleren Osten ein drittes Bündnis.

Man ging von der Türkei als einem NATO-Land aus und wollte die Zusammenarbeit mit den Nachbarn anregen. Aber Moskau hatte Recht: Die meisten arabischen Staaten standen dem Plan mit Skepsis gegenüber. Sie waren noch nicht lange unabhängig und wollten ihre Selbständigkeit nun nicht durch den Beitritt zu solch einem Bündnis gefährden. Umso größer die Freude unter US-Amerikanern und Briten, als es gelang, den Irak zum Pakt mit der Türkei zu bewegen. Der Grundstein war gelegt - und es dauerte nicht lange, bis der Schah, der sich ja als wichtigster Regionalherrscher empfand, am 10. Oktober 1955 dem Bündnis beitrat.

Im Iran war gerade die Regierung Mossadegh mit Hilfe der US-Amerikaner gestürzt worden und die USA hatten dem neuen Regierungschef Zahedi umfangreiche Hilfe angeboten; auch führten sie ein internationales Konsortium zum Erwerb iranischen Erdöls an. Viel zu attraktive Angebote, als dass der Schah hätte Nein sagen können. Er trat dem Bagdad-Pakt bei.

Kritik aus Moskau

In Moskau war man wütend: In einer Note erinnerte man Teheran an das sowjetisch-iranische Abkommen von 1927, in dem beide Staaten sich verpflichtet hatten, sich in keiner Weise an politischen Bündnissen oder Vereinbarungen zu beteiligen, die gegen die Sicherheit, Integrität, Unabhängigkeit oder Souveränität des anderen gerichtet seien.

Die Proteste Moskaus blieben fruchtlos. Der Bagdadpakt aber entwickelte sich nicht zu dem, was US-Amerikaner und Briten erhofft hatten: Andere Staaten der Region schlossen sich ihm nicht an, und die Aktivitäten des Bündnisses erschöpften sich meist darin, dass man regelmäßige Konferenzen abhielt. Nur die jeweiligen politischen Führer profitierten von der finanziellen Unterstützung, die sie hierfür aus Washington und London erhielten.

CENTO

Am 14. Juli 1958 wurde in Bagdad geputscht und der junge König Faisal abgesetzt und ermordet. Putsch-Führer Abdul Karim Kassem gab den Austritt aus dem Bündnis bekannt, das fortan nicht mehr nach seinem Gründungsort Bagdad benannt, sondern in CENTO - "Central Treaty Organisation" - umgetauft wurde.

Mit der Revolution im Iran und der Vertreibung des Schahs fiel auch CENTO zusammen und der Plan einer strategischen Zusammenarbeit in der Region wurde spätestens beim Zusammenbruch der Sowjetunion aufgegeben.

Gerade da aber war er zum ersten Mal richtig verwirklicht worden: Im Golfkrieg beteiligten sich die meisten Staaten der Region an der US-amerikanisch geführten Allianz. Ein Bagdadpakt in umgekehrter Weise: Er richtete sich gegen das Regime Saddam Husseins in Bagdad.



Autor: Peter Philipp
   
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