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25.2.1545: Commedia dell'Arte
Pantalone, Dottore, Capitano, Truffaldino, Brighella, Harlekin und Colombine. Der Greis, der Doktor, der Ritter, die Diener, der jugendliche Gaukler, die Schöne. Unveränderliche Typen in der reinsten Form des Theaters, der Commedia dell'Arte.

Einfache Geschichten genügen - und das karnevalsselige Venedig des Cinquecento hat eine neue Lieblingsunterhaltung. Ohne Bühne, einfach auf der Straße, derb und obszön. Aber unwahrscheinlich lustig. An den Masken und Kostümen erkennt man die Typen, alles Gestalten, die auch im Leben vorkommen, nur tausendfach überzeichnet.

Improvisation und kurze Szenen

Der Theaterwissenschaftler Professor Doktor Elmar Buck von der Universität Köln kennt die Entstehungsgeschichte der Commedia dell'Arte: "Es waren nach Venedig ausländische Arbeitskräfte gekommen. Und mit dem Niedergang Venedigs im 15. und 16. Jahrhundert wurden diese Leute zunehmend arbeitslos. Und lungerten auf den Straßen herum und hatten wahrscheinlich eine große Wut im Bauch auf die, die an ihrem Unglück Schuld waren. Und begannen dann, die nachzuäffen, die sie aus dem Straßenbild der Stadt so kannten."

Truffaldino, der schlaue Diener, kommt in fast jeder Aufführung vor. Zusammen mit seinem Kumpanen Brighella versucht er immer wieder, seine Herren übers Ohr zu hauen. Den Darstellern reichen kurze Absprachen, dann wird improvisiert. Die Szenen sind kurz. Die Leute müssen schnell etwas zu lachen haben, bevor die Polizei kommt und die Komödianten wieder vertreibt.

Volks- und Straßentheater

Prof. Dr. Elmar Buck: "Jederzeit konnte nun dieses Spiel unterbrochen werden. Man musste sehr schnell zur Sache kommen, woraus sich auch die Masken erklären. Zum einen versteckte man sich hinter diesen Masken, auf der anderen Seite war erkennbar und schnell erkennbar, was für einen Typ man dort vorführte."

Die Stehgreiftheater gehören bald fest zum Straßenbild Venedigs. Aus den Gelegenheitskomödianten werden Berufsschauspieler. Die Bezeichnung ihrer Kunst "Commedia dell'Arte" grenzt sie als solche ab von den akademischen Laienspielkreisen, der "Commedia erudita". Der erste Chef einer professionellen Commedia dell'Arte- Truppe ist Angelo Beolco, genannt "Ruzzante".

Der Traum vom Theater

Zuerst ist die Commedia dell'Arte reines Volks- und Straßentheater. Dann entdecken die Adeligen die derb-komisch-erotische Unterhaltung. Auftritte von Commedia dell'Arte Truppen gehören bald zu jedem höfischen Fest. Berühmte Maler wie Tiepolo oder Callot verewigen Commedia dell'Arte-Charaktere auf der Leinwand. Der Bildhauer Bustelli kreiert im 17. Jahrhundert eine Serie von Commedia dell'Arte Figurinen für die Nymphenburger Porzellanmanufaktur. Reproduktionen der Originale sind bis heute als gesuchte Sammlerstücke im Handel.

Mitte des 17. Jahrhunderts geht die derb-urwüchsige Commedia dell'Arte ihrem Ende entgegen. Die Obszönitäten verschwinden. Theaterdichter versuchen, aus dem Straßenkind eine seriöse Bühnenkunst zu machen, darunter Molière oder Carlo Goldoni.

Prof. Dr. Elmar Buck: "Goldoni hat großartige Stücke geschrieben. Aber das sind bürgerliche Schauspiele. Sie erinnern nur noch in ganz wenigen Momenten an die Commedia dell'Arte. Die Commedia dell'Arte blieb dann aber bis ins 20. Jahrhundert und noch darüber hinaus der Traum vom Theater schlechthin."


Autorin: Catrin Möderler
   
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