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1.3.1920: Ungarns Monarchie am Ende
Der Erste Weltkrieg tobt. Kaiser Karl von Österreich versucht bis zuletzt, die Habsburgermonarchie vor dem Untergang zu retten. Umsonst. Im November 1918 wird er gezwungen, die Regierungsgeschäfte niederzulegen und sein Land zu verlassen. Aber Karl ist nicht nur Kaiser von Österreich, er ist auch König von Ungarn. Noch während des Krieges ist er zusammen mit seiner Frau in Budapest gekrönt worden. Sein Sohn Otto, damals sechs Jahre alt, erinnert sich:

Otto von Habsburg: "Meine Mutter wurde ja als Königin gekrönt, daran erinnere ich mich sehr gut. Auch wieder in der Matthiaskirche. Als ich jetzt nach über siebzig Jahren zum ersten Mal wieder dort war, hab ich mich wieder zurechtgefunden."

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs fällt das Habsburgerreich auseinander. Die ehemaligen Kronländer erklären sich unabhängig. Im Oktober 1918 wird Ungarn zur Republik. Die kommunistische Revolution in Russland trägt neue politische Ideen ins schwerverwundete Europa.

Noch völlig verunsichert, welcher politische Weg der beste sein könnte, erklärt sich Ungarn im März 1919 zur kommunistischen Räterepublik. Die hält allerdings nur 133 Tage. Das ungarische Volk hat das Durcheinander satt, sie wollen ihren König zurück. Der neue Staatschef, Admiral Miklos Horthy, tut so, als gefiele ihm die Idee. Als er die Regierungsgeschäfte antritt, erklärt er Ungarn zur Monarchie mit vakantem Thron.

Otto von Habsburg: "Es war die Situation, dass die Leute derartig meinen Vater gerufen haben. Sie müssen wissen, auf den Kommunismus ist der weiße Terror gefolgt. Und der weiße Terror ist ja auch nichts angenehmes, speziell für die Minderheiten, für die Sozialisten oder die Juden und so weiter. Es war schon eine sehr gefährliche Zeit. Und die haben alle meinen Vater gerufen."

Karl von Habsburg lebt im Exil in der Schweiz. Dem Hilferuf aus seinem ehemaligen Königreich Ungarn will er sich nicht verschließen.

Otto von Habsburg: "Wenn man ein König ist und geschworen hat, dass man sich an die Verfassung hält, an die Krone, ja dann, wenn die Leute einen rufen, dann muss man eigentlich die Frage klug oder unklug ein bisschen zur Seite lassen und die Frage Pflicht stellen."

Von der Schweiz aus reist Karl mit seiner Gemahlin Zita in einem klapprigen Flugzeug nach Ungarn. Sie landen nahe der österreichischen Grenze im westungarischen Cirak. In einem wahren Triumphzug begleitet die Bevölkerung das Königspaar nach Budapest. Der Restauration stünde nichts mehr im Weg, aber jetzt zeigt Admiral Horthy sein wahres Gesicht. Er will keineswegs einen König in Ungarn, er will selber herrschen.

In Budapest lässt er das Königspaar festsetzen. Angeblich versucht er selber, Karl von Habsburg zu erschießen. Den König töten kann Horthy nicht, aber er kann ihn und seine Gemahlin nach Madeira verbannen. Am 1. März 1920 erklärt sich Admiral Miklos Horthy zum Reichsverweser Ungarns. Das Königreich Ungarn ist tot.

Otto von Habsburg: "Dann kommt also diese Tragik von Buda, bzw. die Folgen von Buda. Meine Eltern sind dann nach Madeira deportiert worden. Wir sind in der Schweiz geblieben. Und dann ist sehr bald, im November 1921, meine Mutter in die Schweiz gekommen, um uns nach Madeira zu bringen."

Karl verwindet den Verlust seiner Kronen nicht. 1922 stirbt er im Alter von erst 35 Jahren in der Verbannung. Unter Horthys Führung nimmt Ungarn auf deutscher Seite am Zweiten Weltkrieg teil, wird von sowjetischen Truppen erobert und als sozialistischer Staat nach sowjetischem Muster umgestaltet. Erst mit dem Fall des eisernen Vorhangs Ende der achtziger Jahre wird Ungarn nach demokratischen Grundsätzen neugestaltet. Otto von Habsburg hat nie die Krone von Ungarn getragen. Aber immer an ein freies Ungarn geglaubt.

Otto von Habsburg: "Das ist wie in einer chemischen Lösung. Die Elemente sind da, dann kommt noch der Katalysator dazu - und plötzlich geht es los."

Autorin: Catrin Möderler
   
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