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3.3.1960: Erster schwarzer Kardinal
Weichenstellungen für eine katholische Kirche, die nach ihm kommen wird, hat der bald 81-jährige Papst vor wenigen Tagen vorgenommen (Stand: März 2001): mit dem Ausbau der innersten Führung des Katholizismus um 24 neue Kardinäle.

Kein Zweifel, die so genannte Dritte Welt wird verstärkt repräsentiert, allein die Zahl der Kardinäle aus dem Schwarzen Kontinent beträgt inzwischen zwölf. Gerhard Mockenhaupt, Ordensgeistlicher und innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz Leiter der Zentralstelle Weltkirche, ein ausgewiesener Kenner der Szene in Afrika:

"Die über 450 Bistümer, die es dort gibt und die 120 Millionen katholischen Gläubigen im Kontinent spielen eine große Rolle, auf das Ganze gesehen."

Gezielt gefördert durch die Vatikandiplomatie, vor allem durch den gegenwärtigen Papst. Bedeutungswandel eines Erdteils innerhalb der Weltkirche, der 1960 begonnen hat - an jenem 3. März 1960, an dem die Nachrichtenagenturen meldeten, dass der erste Schwarzafrikaner den Kardinalspurpur erhalten sollte.

Damals noch eine kirchengeschichtliche Sensation. Die ungewohnte Erscheinung hieß Laurean Rugambwa. Ganze 37 Jahre alt, geboren 1912 in einem Ort, den kaum ein Europäer kannte: in Bukongo, im seinerzeitigen Deutsch-Ostafrika - heute Tansania.

Getauft wurde er vom Missionsorden der "Weißen Väter". Er besuchte deren Schule und erhielt 1943 die Priesterweihe. 1948 brach Rugambwa nach Rom auf, an das Collegio San Pietro. Dort promovierte er 1951 zum Doktor des kanonischen Rechts und wurde kurz darauf unter Pius XII. Bischof.

Als ein Jahr später in Tansania, bzw. dem Teilstaat Tanganjika, die kirchliche Hierarchie entstand, erhielt Rugambwa die Leitung der Diözese Rutabo.

Und im März 1960 das Ereignis, das Afrikas Katholiken als historischen Durchbruch zur Gleichberechtigung ansehen: Rugambwa wird von Papst Johannes XXIII. zum Kardinal kreiert, der erste schwarzafrikanische Purpurträger nach rund zwei Jahrtausenden Kirchengeschichte.

Noch im gleichen Jahr 1960 übernimmt Rugambwa die Führung der Diözese Bukoba und zu Pfingsten 1969 die Leitung des Bistums Dar es Salaam. Die augenfälligste Konsequenz: ein neues ethnisch-katholisches Selbstbewusstsein. Und seither wächst zunehmend die Vision von einem Papst, der aus dem "Kontinent der Hoffnung" kommt, wie Johannes Paul II. Afrika so gerne nennt.

Im Ausbau der internationalen Position seiner Kirche zeigte sich der Afrikaner höchst versiert. Der Leiter der deutschen Zentralstelle Weltkirche weiß zu berichten:

Mockenhaupt: "Sicher gehört Kardinal Rugambwa zu der Generation, die gerade bei der Bischofskonferenz von 1974 - aus der später dann das päpstliche Schreiben "Evangelii nuntiandi" hervorgegangen ist über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt - dass gerade die Bischöfe aus dem Süden und vor allen Dingen aus Afrika mit sehr großem Selbstbewusstsein aufgetreten sind, was den damaligen Kardinal Höffner von Köln veranlasst hat zu sagen: Diese Bischofssynode war für uns Bischöfe aus dem Norden eine Lektion hinsichtlich des selbstbewussten und kompetenten Auftretens der Bischöfe aus den jungen Kirchen. Und dazu gehörte Rugambwa."

Aber 1978, beim letzten Wechsel des Kirchenoberhaupts, schien die Zeit noch nicht reif für einen afrikanischen Pontifex. Im Oktober des Jahres erstieg nach vier Wahlgängen ein Mann aus Polen den Stuhl Petri: Karol Wojtyla.

Laurean Rugambwa ist am 9. Dezember 1997 in seiner früheren Bischofsstadt Dar es Salaam gestorben, 85-jährig. Mag sein, dass er zu früh dran war, als Afrikaner des Geburtsjahrgangs 1912.

Autor: Gerhard W. Appeltauer
   
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