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15.3.1909: Sechstagerennen
In Berlin fiel der erste Startschuss für ein Sechstagerennen - abgegeben vom ersten deutschen Rad-Weltmeister August Lehr. Legendären Ruhm erwarb sich das Sportereignis dann in den 1920er-Jahren im Berliner Sportpalast. Der Kessel kochte, wenn "Krücke" das Berliner Original, den Sportpalastwalzer, pfiff.

Das Sechstagerennen Berlins kennt viele Höhen und Tiefen. Pleiten der Veranstalter oder das Verbot durch die Nationalsozialisten wechselten sich ab mit unvergesslichen Rennen solcher Fahrer wie Rudi Altig, Dietrich Thurau oder Otto Ziege. 40 Sechstagerennen hat der radsportverrückte Champ Ziege einst selbst bestritten. Aus eigener Erfahrung weiß er, dass heutige Veranstaltungen anders aussehen, aussehen müssen, als vor Jahrzehnten:

"Damals war das Entscheidende bei den Sechstagerennen die lange Jagd, bei der beide Fahrer zusammen auf der Bahn waren. Man kämpfte darum, welche Mannschaft eine Runde gewinnt, um das ganze Rennen zu gewinnen. Da waren die Zuschauer noch so geduldig, die ganze Nacht auf die gewinnbringende Runde zu warten. Inzwischen hat sich das sehr verändert, vielleicht auch nicht zuletzt durch das Fernsehen. Alles wurde kurzweiliger und schneller. Die Leute wollen nur Höhepunkte sehen. So hat sich auch das Sechstagerennen verändert."

Riesenstimmung in der Halle

Nicht zu vergessen das kulturelle Drumherum und die Gaumenfreuden - für so manchen Besucher das Wichtigste am Sechstagerennen. Dass auch sportlich in Berlin das Beste geboten wird, dafür war Otto Ziege verantwortlich. 1958, gleich nach Ende seiner sportlichen Laufbahn, übernahm er den Posten des sportlichen Leiters. Seitdem stellte er unzählige Sechstagerennen in Berlin und Dortmund mit auf die Beine. Als sportlicher Leiter der Rennen in Sportpalast und Deutschlandhalle war Ziege auch genau an jener Stelle, an der das Velodrom nun steht: auf der Winterbahn in der damaligen Werner-Seelenbinder-Halle, dem Ostberliner Pendant zum Sechstagerennen in Sportpalast und Deutschlandhalle im Westteil der Stadt:

"Ich war zweimal da, und zwar als ich noch Vorsitzender des Berliner Radsport-Landesverbandes war. Da durfte ich zweimal rüber. Ansonsten war das ja alles nicht so einfach. Aber ich hatte das Glück und wollte auch mit dem damaligen Präsidenten des DDR-Verbandes reden. Der hieß Voss. Es gelang mir jedoch nicht. Er saß auf der einen Seite der Tribüne und ich auf der anderen. Die politischen Kräfte waren stärker. Ich kann nur sagen, es war eine Riesenstimmung in der Halle. Es war wunderbar, was sich da abspielte. Da wurde großer Radsport geboten und geschrieben. Es gab das längste Mannschaftsrennen der Welt, bei dem u. a. Olaf Ludwig viermal der große Sieger war. Wir freuen uns sehr, dass wir an dieser Traditionsstätte des Radsports in Berlin weitermachen können."

Austragungsorte wechselten – Rennen bleiben

Nach Schließung der Deutschlandhalle fand das Berliner Sechstagerennen im neu erbauten Velodrom sein Zuhause. Mit der 86. Auflage des Traditionsrennens war es für Publikumsliebling Olaf Ludwig das letzte in Deutschland bestrittene Rennen. Als der Olympiasieger seine Karriere auch noch mit einem Sieg beendete, fand der Jubel keine Grenzen.

Die Austragungsorte wechselten, und die Sieger der Berliner Sechstagerennen kennen viele Namen, doch auch heute noch gibt es für die Traditionsveranstaltung keine Anzeichen von Altersschwäche.

Autor: Steffen Marquardt
   
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