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20.3.1925: Chiang Kai-shek an der Macht
Der Besuch der US-amerikanischen Pingpong Mannschaft in der Volksrepublik China markierte eines der schwärzesten Jahre für den taiwanesischen Führer Chiang Kai-shek. Die Sportler wurden überschwänglich vom rot-chinesischen Ministerpräsidenten empfangen. Und so bedeutungslos der Besuch der Pingpong Spieler unter sportlichen Gesichtspunkten auch war, so sehr wurde er auf Taiwan doch als Politikum betrachtet.

Die von US-Präsidenten Nixon 1971 angestoßene neue Asienpolitik zeichnete sich durch eine brandende Anerkennungswelle in Richtung Peking aus. Chiang Kai-shek, der sich Zeit seines Lebens mit Generalissimus ansprechen ließ, befand sich einmal mehr auf der Verliererstraße.

Am 31. Oktober 1887 war er als Sohn eines armen Reisbauern in der chinesischen Provinz Chekiang geboren. Sein bürgerlicher Name: Chiang Chung-cheng. Bereits mit 15 Jahren wurde er von seiner Familie an ein wohlhabendes Mädchen verheiratet. Durch diese Bindung war es ihm finanziell möglich, eine Kadettenschule in Japan zu besuchen. Sein großes Vorbild war schon in früher Jugend Sun Jat-sen, ein Mann der in China Geschichte schrieb. Sun Jat-sen war Vater der Koumintang-Bewegung, die 1911 die Mandschu-Kaiser vertrieb.

Chiang Kai-shek schloss sich der Koumintang bereits in frühen Jahren an. Der junge Offizier nahm in den Folgejahren einen kometenhaften Aufstieg. Er wurde Minister in Sun Jat-sens erster Regierung und befreite in grandiosen Feldzügen Nordchina von den dort herrschenden Kriegsherren.

Am 20. März 1925 stellte er sich an die Spitze der Koumintang-Bewegung, Sun Jat-sen war überraschend gestorben. Die 1920er Jahre wurden die große Zeit des Generalissimus. Ihm gelang es, ein teilweise unterjochtes China zu einen. Unter dem Dach der Koumintang fanden auch die Kommunisten Platz.

Im April 1927 kam es plötzlich zum Bruch mit Maos Gesinnungsgenossen. Von nun an war die Kuomintang streng antikommunistisch. Sie konnte trotz mehrerer Verfolgungsfeldzüge freilich die Flucht Mao-Tse-tungs nach Yenan nicht verhindern. Die Keimzelle der kommunistischen Revolution, die zur Errichtung der Volksrepublik China im Jahre 1949 führte.

Noch ein Jahr zuvor, also 1948, wurde Chiang Kai-shek in Uniform - in der er sich seit der Kadettenschule in Japan zeigte - zum ersten Präsidenten Chinas gewählt und von 1925 bis 1949 blieb der Generalissimus erster Mann im Staat. Es waren Jahre des Kampfes und des Bürgerkriegs. Seit Ende der 1930er Jahre musste er sich der einmarschierenden Japaner erwehren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sah er sich dann der erstarkten kommunistischen Bewegung gegenüber. Obwohl er 1937 vom US-amerikanischen Time-Magazine zum Mann des Jahres gekürt wurde und ein US-Senator nach einer China-Reise 1945 frohlockte, "er alleine kann mit der gegenwärtigen Lage fertig werden, denn er ist China", kann das nicht über die Tragik der Figur Chiang Kai-sheks hinwegtäuschen.

Er war stets nur Soldat. Persönlich erstaunlich integer, verstand er es doch nicht, der traditionellen chinesischen Korruption und Vetternwirtschaft Einhalt zu gebieten. Während Mao erkannt hatte, dass die Lösung der nationalen Probleme ausschließlich von der Neuverteilung des Bodens abhing, verbündete sich Chiang mit der alten Feudalaristokratie. Zeit seiner Regentschaft hatte er einen Zwei-Frontenkrieg zu führen: Gegen den äußeren Feind Japan und gegen den inneren Gegner - Maos Kommunisten. Damit verlor die Koumintang an Kraft und den Bezug zu den tagtäglichen Problemen der Chinesen.

Als logische Konsequenz folgte 1949 die größte militärische Niederlage Chiang Kai-sheks. Er musste sich nach zwei Jahren des Kampfes gegenüber Maos Truppen geschlagen geben. Zusammen mit rund zwei Millionen Anhängern floh er vom Festland und suchte Unterschlupf auf der Insel Formosa, dem heutigen Taiwan. Geschützt durch US-amerikanische Truppen und gestärkt durch etliche US-Dollarmillionen entwickelte sich Taiwan unter Chiang Kai-shek zum prosperierenden Inselstaat. Seinen Machtanspruch auf ganz China ließ er die Jahre über aber nie ruhen:

"Was sich gegenwärtig abspielt ist nur die Dunkelheit vor der Dämmerung. Wir haben nichts dagegen, als einzige noch and den Antikommunismus zu glauben. Auf uns lastet nicht nur das Schicksal der Nation, sondern auch die Verantwortung für die Sicherheit der gesamten Menschheit."

Als Greis musste er erleben, wie sein einstiger Verehrer und härtester Kommunistengegner Nixon mit Mao in Peking auf die chinesisch-amerikanische Freundschaft anstieß. Am 5. April 1975 starb Chiang Kai-shek im Alter von 87 Jahren. Viele Kommentatoren bezeichneten ihn in Nachrufen als einen der größten Verlierer der Menschheitsgeschichte.

Autor: Oliver Ramme
   
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