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27.3.1977: "Jumbo"-Katastrophe auf Teneriffa
10.20 Uhr auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol. Eine Boeing 747 der niederländischen Luftfahrtgesellschaft KLM startet mit 235 Passagieren und 14 Besatzungsmitgliedern in Richtung Grand Canaria. Kapitän des Fluges ist der 51-jährige Veldhuizen Van Zanten, ein erfahrener Pilot.

Während des über vierstündigen Fluges erhält er eine wichtige Mitteilung vom Flughafen Gando auf Grand Canaria. Ein Bombenanschlag hat sich im Terminalgebäude ereignet, alle Flüge werden bis auf weiteres auf die Nachbarinsel Teneriffa umgeleitet. Am Nachmittag landet die KLM-Maschine wohlbehalten auf dem Flughafen Los Rodeos auf Teneriffa.

Nur wenige hundert Meter entfernt von der KLM wird die Maschine von Kapitän Grubb aufgetankt. 378 Passagieren und 16 Besatzungsmitglieder sind an Bord der US-amerikanischen PanAm - Maschine. Die 747 kommt aus Los Angeles und wurde auch auf Teneriffa umgeleitet. Die Lage auf dem Flughafen Gando auf Grand Canaria hat sich nach dem Bombenanschlag schnell beruhigt, die umgeleiteten Maschinen können nun ihr Ziel anfliegen.

Kapitän Veldhuizen lenkt seine 747 zum südöstlich gelegenen Startbahnkopf. Der Flughafen Los Rodeos ist nicht für Jumbo-Jets ausgelegt. Der Rollweg, der parallel zur Startbahn verläuft, ist in manchen Abschnitten zu schmal für die 747, deswegen wird die KLM vom Tower auf die Start- und Landebahn dirigiert.

Als der niederländische Jumbo den Startbahnkopf erreicht, wendet er und meldet seine Startbereitschaft dem Kontrollturm. In die abendliche Dämmerung, es ist ungefähr 18.00 Uhr, hat sich ein dichter Nebel gelegt. Kapitän Veldhuizen Van Zanten hat nur wenige Meter Sicht. Wo sich der Tower befindet, kann er nur ahnen. Deswegen sieht er auch nicht, dass sich die Pam Am von Kapitän Grubb mit behäbigem Tempo auf der Start- und Landebahn nähert. Die beiden Maschinen sind nun keine zwei Kilometer voneinander entfernt.

Kapitän Veldhuizen bekommt vom Tower die Mitteilung: "Warten sie! Ich werde sie dann zum Start aufrufen." Gehört hat man das scheinbar auch im Pan Am Cockpit. Beide Maschinen und der Kontrollturm funken auf der gleichen Frequenz. Ob indes im KLM-Cockpit der Funkspruch des Towers richtig aufgefasst wird, ist fraglich.

Die spanischen Fluglotsen stehen in Verruf, sich nur mangelhaft in englischer Sprache verständigen zu können, außerdem gelten ihre Funksprechanlagen als veraltet. Zusätzlich stehen die Lotsen wegen des ungewöhnlich hohen Flugverkehrs an diesem Tag unter besonderem Stress. Kapitän Veldhuizen versteht offenbar die Aufforderung "Warten sie! Ich werde sie dann zum Start aufrufen" als Starterlaubnis und funkt dem Tower die kryptische Miteilung: "Roger - Rolling!"

Der KLM-Jumbo beschleunigt nun auf der nebelverhangenen Startbahn, auf der sich noch immer die PanAm - Maschine befindet. Der warnende Ruf von Kapitän Grubb bleibt ungehört: "Stop, wir sind noch auf der Startbahn!" Er ist in diesem Moment der einzige, der die sich anbahnende Katastrophe zu ahnen scheint.

Die KLM naht mit großen Schritten. Grubb versucht die vier Turbinen seiner Boeing hochzufahren, um den Abrollweg zu erreichen. Er merkt aber, dass ihm die Zeit nicht reicht und entscheidet sich, auf die Wiese zu steuern. Die PanAm dreht ab. In diesem Moment rast die 747 der KLM mit ungefähr 250 Stundenkilometer in die Seite der US-amerikanischen Boeing. Der niederländische Jumbo wird von dem Flügel des anderen regelrecht aufgeschlitzt und fängt sofort Feuer. Die PanAm wird durch den Aufprall in Stücke gerissen.

"Der Pilot wollte gerade eine Kurve fahren. Plötzlich gab es einen starken Stoß. Alles begann zu explodieren und zusammenzubrechen. Innerhalb von fünf Minuten war das ganze Flugzeug zu Asche zusammengesunken" berichtet später einer der wenigen Überlebenden.

Die Startbahn von Los Rodeos verwandelt sich in ein Flammeninferno. Dazwischen schreiende Passagiere, teilweise mit brennenden und zerfetzten Kleidern. Die Behörden des Flughafens leiten die Rettungsmaßnahmen ein. Über die örtlichen Radiostationen werden Aufrufe an alle Ärzte und Krankenschwestern der Insel gesendet.

Auf der Zufahrt des Flughafens kommt es zum Verkehrschaos, da Verletzte mit Taxis und Privatfahrzeugen zu den Krankenhäusern gebracht werden. Die Feuerwehr kämpft gegen das Inferno. Erst nach neun Stunden wird sie der Flammen Herr. Die erschütternde Bilanz der Jumbo-Katastrophe auf Teneriffa: 583 Tote, wobei keiner der KLM-Passagiere überlebte.

Über die genauen Ursachen der Katastrophe herrscht bei Experten bis heute Unstimmigkeit. Aus dem Abschlussbericht geht lediglich hervor, dass Kommunikationsprobleme und ein Pilotenfehler zur größten Flugzeugkatastrophe der zivilen Luftfahrt führten.

Autor: Oliver Ramme
   
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