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8.1.1909: Willy Millowitsch geboren
Millowitsch war, wenn man so sagen kann, ein Vollblutschauspieler - erfüllt von fast unbändiger Lust an derber Komik. Er war glücklich, wenn er sein Publikum zum Lachen brachte, wenn es ein paar Stunden die Alltagssorgen vergessen konnte. Und das hat Tradition in der kölschen Familie: Millowitsch stammte aus einer alten Theaterdynastie, die seit Ende des 18. Jahrhunderts in Köln lebte, zunächst das Publikum mit Bänkelgesang und Puppenspiel unterhielt, später richtiges Schauspielertheater machte.

Willy zur Bühne

Mit seinem Vater Peter Millowitsch machte der kleine Willy dann auch die ersten Schritte auf der Bühne, die seine Welt werden sollte: "Ich brauche die Bühne, ich brauche das Theater. Ich darf verraten, dass ich in meinem ganzen Leben nichts gelernt habe. Seit 1926 habe ich mit meinem Vater zusammen gespielt. Das heißt, ich war damals Mädchen für alles - Bühne putzen, Stühle sammeln, Plakate austragen, Reklame machen - aber so nach und nach bin ich dann in die Rollen gekommen. Damals war ich noch gar nicht gut, konnte ich gar nicht sein, " bekannte Millowitsch im Oktober 1996 in einem Interview anlässlich der Goldenen Hochzeit mit seiner Frau Gerda.

1936 dann zog die Bühne der Millowitschs in ihr Theater auf der Aachener Straße zu Köln. Bis Kriegsbeginn 1939 spielten die Millowitschs dort, dann machte man Fronttheater, dessen Leitung Millowitsch und seine Schwester Lucy übernahmen. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs fiel zunächst auch der Vorhang für die Theatertruppe. Doch schon im Herbst 1945 konnte Millowitsch im fast unzerstörten Theater wieder anfangen - mit tatkräftiger Unterstützung des damaligen Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer.

"Der Etappenhase"

Dann, im Oktober 1953 kam der Durchbruch des Volkstheaters Millowitsch und seines Prinzipals: Das Erste Deutsche Fernsehen übertrug die Posse "Der Etappenhase" live aus dem Theater - ein Novum in der Fernsehgeschichte. Über 100 Sendungen folgten im Laufe der Zeit und machten den Namen "Millowitsch" weit über die Kölner Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Millowitsch sagte einmal über den "Etappenhasen": "Die liebste Rolle, die ich gespielt habe, war auch die Rolle, mit der ich damals beim Fernsehen angefangen habe - das war der "Etappenhase". Dieses Soldatenstück aus dem Ersten Weltkrieg ist so saukomisch, so lustig, so herrlich. Das habe ich immer gern gespielt, wahrscheinlich über 1000 Mal."

Kölscher Willy

Millowitsch wurde zum "kölschen Willy", zum Inbegriff des rheinischen Frohsinns. Er spielte in zahlreichen Filmen, trat im Kölner Karneval auf und sang Lieder, die zu kölschen Volksliedern wurden. Er machte Hörspiele und veröffentlichte Bücher. In späteren Jahren arbeitete er mit bedeutenden Regisseuren zusammen und bewies mit schauspielerischen Ausflügen ins ernste Fach, dass er ein großer Schauspieler war, so auch in seinen Fernsehrollen als pensionierter Kriminalkommissar Klefisch.

In den letzten Lebensjahren musste Willy Millowitsch schweren Herzens Abschied von der Bühne nehmen. Sein Sohn Peter setzt heute die Familientradition fort, auch die Töchter Mariele und Katharina sind Schauspielerinnen - und Vater Willy war bereits zu Lebzeiten in die Unsterblichkeit entrückt: Die Stadt Köln hatte ihn zum Ehrenbürger gemacht und ihm ein Bronzedenkmal gesetzt.

Verehrter Willy

1999, zu seinem 90. Geburtstag, feierte ihn Köln mit einer riesigen Party. Das Fernsehen übertrug die Hommage an einen Mann, der wie kaum ein anderer die Domstadt und ihre Menschen verkörperte. An seinem 90. Geburtstag besuchte er die Deutsche Welle, zu deren regelmäßigen Hörern er gehörte: "Ich grüße alle Deutschen auf der ganzen Welt, und ich bin sehr glücklich, auch dahin zu kommen, wo ich vielleicht im Leben nie hinkommen werde. Aber die Leute hören mich, und die Leute sind glücklich, und ich bin besonders froh, dabei zu sein. Alles Gute, Kinder, alles Liebe, alles Beste - Küsschen, Euer Willy Millowitsch."

Und als Willy Millowitsch am 20. September 1999 starb, trauerte Köln. Man bahrte ihn im Dom auf, eine Ehrung, die vor ihm als bisher einzigem weltlichen Bürger nur Konrad Adenauer zuteil geworden war.


Autor: Karl-Heinz Lummerich
   
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