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17.4.1895: Frieden von Shimonoseki
Am 17. April 1895 standen Diplomaten aus Peking und Tokio in der japanischen Stadt Shimonoseki bereit, mit ihrer Unterschrift einen Krieg zu beenden, ahnungslos, dass sie die Geschichte des Fernen Ostens bis heute mitprägen sollten. Yü Ligong, ein renommierter chinesischer Gelehrter in Wien lebt, blickt zurück:

"Ich erinnere mich noch an einen koreanischen König, der da gesagt hatte: Die Beziehung zwischen China, Japan und Korea ist gleich der Beziehung zwischen einem Vater und zwei Söhnen. China hat zwei Söhne, Korea und Japan. Während Korea ein loyaler Sohn ist, ist Japan ein verräterischer."

Die Beziehung "ein Vater mit zwei Söhnen" galt bis in die 1880er Jahre. Für das chinesische Imperium war Korea ein wichtiger Vasallenstaat, den das industriell aufstrebende Japan immer mehr ins Visier nahm. Zhou Gucheng, Historiker und Chinas Vizepräsident, schreibt 2001:

"Bereits 1884, elf Jahre vor dem Ausbruch der Seeschlacht im Ostchinesischen Meer, kam es zwischen China und Japan auf der koreanischen Halbinsel zu ernsten Krisen. Es ging um Koreas Staatsreform, die aber nicht von Koreanern, sondern von Chinesen und Japanern konzipiert und durchgeführt werden sollten. 1894, als beide Regionalmächte sich nicht einigen konnten, schickten Peking wie Tokio Truppen in die südkoreanische Stadt Chemmulpo. Ein Krieg wurde unvermeidlich."

Der Krieg tobte zuerst auf der koreanischen Halbinsel. Am 23. Juli 1894 gelang Japan der erste militärische und politische Sieg: Es eroberte die Hafenstadt Chemmulpo und rief von dort aus eine Marionettenregierung aus. Zwei Tage später erklärte das koreanische Kabinett den Abbruch jeglicher Beziehung zu China, das gerade vier Tage zuvor die Hälfte seiner Marine in der Meeresenge zwischen Japan und Korea verloren hatte. Ein Schmach für China, der noch heute Gemüter bewegt. Zhu Professor Weizheng von der Shanghaier Fudan-Universität, widerspricht die Interpretation, China hätte den Krieg 1894 deshalb verloren, weil seine Wirtschaft und erst recht seine Marine technisch weit hinter der japanischen zurückblieben:

Zhu Weizheng: "Das chinesische Imperium war lange Zeit unumstritten der ökonomisch stärkte Staat, dies gilt auch für die Zeit bis tief in das 19. Jahrhundert. Auch die chinesischen Militärs, die Marine mit eingeschlossen, standen technisch Japan in nichts nach, etwa in der Tonnage, in Feuerstärke oder in der Logistik."

Nur im Selbstvertrauen kippte die Waage. Obwohl im dritten Monat nach dem Kriegsbeginn, im Oktober 1894, Japans Kriegskasse bereits leer geworden war, glaubten chinesische Generäle nicht mehr auch nur an ein Unentschieden. Ein überstürzter Rückzug Chinas gänzlich aus der koreanischen Halbinsel war die Folge, aber noch lange nicht das Kriegsende und Frieden, der erst ein halbes Jahr später in Shimonoseki besiegelt wurde. Die Siegesmacht Japan zwang das politisch marode gewordene Kaiserreich China in die Knie. Peking verlor nicht nur Korea an Japan. Der Friedensvertrag Shimonoseki sieht auch vor:

Wang Weijiang: "China erklärt sich bereit, Taiwan und alle Inseln zwischen dem östlichen Breitengrad 115 bis 120 an Japan abzutreten, einschließlich allen militärischen wie auch zivilen Liegenschaften, sofern diese keiner Privatperson gehören. (...)"

Besiegelt wurde mit dem Friedensvertrag Shimonoseki nicht nur das Kriegsende 1895. Besiegelt wurden damit auch Koreas Schicksal als japanische Kolonie für 70 Jahre und weitere Schlachten zwischen China und Japan auch im Zweiten Weltkrieg, um die Insel Taiwan, das erst 1945 kraft des Potsdamer Abkommen an China zurückgegeben wurde.

Autor: Shi Ming
   
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