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22.4.1723: Bach wird Thomaskantor
Eigentlich gibt es für Johann Sebastian Bach keinen Grund, den Arbeitsplatz zu wechseln. Es ist das Jahr 1722, Bach musiziert als Kapellmeister am Hof des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen. Bach ist ein begabter Komponist. Und Fürst Leopold hat für Bachs Musik viel Sinn.

"Das war seine glücklichste Zeit, wie er selbst geäußert hat, "erzählt der Leipziger Thomaskantor Georg Christoph Biller. "Und es gibt auch ein Zitat von den wenigen Zitaten, dass er sich dort wohlfühlt und gedenkt, seine Lebenszeit dort zu beschließen."

Doch Fürst Leopold heiratet eine bärenburgische Prinzessin. Sie versteht nicht viel von Musik und veranlasst eine Gehaltskürzung für Bach. Deshalb bewirbt sich der Komponist um die gerade unbesetzte Stelle als Thomaskantor in Leipzig. Schon damals genießt der Knabenchor der Thomaskirche weit über Leipzigs Stadtgrenzen hinaus hohes Ansehen. Bach ist deshalb nicht der einzige Kandidat, doch die anderen Komponisten ziehen ihre Bewerbungen zurück - zum Ärger des Stadtrates Abraham Christoph Platz.

Christoph Biller: "Es gibt ein Zitat von einem Ratsprotokoll, dass wenn man eben nicht die besten kriegen könne, man eben die mittleren nehmen müsse. Und damit meinte er Bach. Für heutige Verhältnisse unvorstellbar, wo Bach für uns auch so ein Gipfelpunkt ist."

Vor seiner Anstellung muss Bach mehrfach vorspielen. Am 22. April 1723 wählt ihn der Rat der Stadt Leipzig schließlich zum Thomaskantor. Doch das Anstellungsverfahren ist damit noch nicht beendet. Bach ist in Leipzig Diener zweier Herren. Nach der Wahl des Stadtrats müssen noch die Kirchenherren zustimmen. Und so muss sich Bach theologischen Prüfung unterziehen und seine moralische Eignung unter Beweis stellen. Am 30. Mai tritt er sein Amt als Thomaskantor an.

Christoph Biller: "Vor allen Dingen musste er für jeden Sonn- und Feiertag eine eigene Kantate bereithalten, komponieren und aufführen. Die erste reguläre Kantate in seinem Amt war die Kantate 75 'Die Elenden sollen essen' zu dem ersten Sonntag nach Trinitatis."

Bach ist in Leipzig nicht nur für die Thomaskirche zuständig, sondern führt noch in drei weiteren Gotteshäusern auf. Fünfundfünfzig Sänger, die Thomaner, stehen ihm zur Verfügung. Er ist nicht nur für ihre musikalische Ausbildung verantwortlich:

Christoph Biller: "Es gehörte dazu, dass er auch Latein unterrichtet. Das hat er aber nicht getan, und da her sich gleich einen Vertreter besorgt, einen Herrn Petzold. Den hat er dann auch entlohnt, so dass das lief. Aber es wurde doch moniert, dass er sich da keine Mühe gibt zu unterweisen, wie man immer sagt. Es ist für uns ja auch völlig klar: Er hatte keine Zeit dazu."

Bach komponiert in seiner Leipziger Zeit zahlreiche Kantaten, dreizehn Konzerte, Choräle, die Matthäus- und Johannes-Passion sowie die h-Moll-Messe. Nebenbei tritt er mit seinen Thomanern bei Hochzeiten, Beerdigungen oder Geburtstagen auf. Er verdient so den Unterhalt für den Knabenchor und für sich ein Zusatzhonorar.

Christoph Biller: "Die Legende, dass es ihm wirtschaftlich schlecht ging, das kann man nicht aufrecht erhalten. Es ging ihm schon ganz gut."

Doch zufrieden ist Bach nicht. Ständig ärgert er sich über seine Vorgesetzten. Die kirchlichen Herren fordern, er solle weniger "opernhaft" komponieren. Die weltlichen meinen, er solle modernere Musik machen. Bach schreibt schon 1730 einen Brief an seinen Freund Georg Erdmann in Danzig in der Hoffnung, dieser habe eine bessere Stelle für ihn. Doch der Danziger Freund hilft ihm nicht und Bach bleibt in Leipzig.

"Es war von vornherein so üblich, dass ein Thomaskantor auf Lebenszeit in seinem Amt war. Und das ist bei vielen seiner Vorgänger abzulesen, das Sterbedatum ist gleichzeitig das Ende des Thomaskantorats. Nur selten haben das Leute schon vorher aufgegeben," erzählt Georg Christoph Biller. Er ist der 16. Thomaskantor nach Bach. Dieser erkrankte im Alter von etwa sechzig Jahren an der Augenkrankheit Grauer Star. Nach der zweiten Operation starb Bach zurückgezogen und fast erblindet am 28. Juli 1750 in Leipzig.

Autor: Ralf Geißler
   
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