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12.7.1941: Britisch-sowjetisches Abkommen
Als am 22. Juni 1941 der deutsche Überfall auf die Sowjetunion begann, zeigte sich davon der britische Premierminister Winston Churchill in einer öffentlichen Rede noch am selben Tag wenig überrascht, denn er habe Stalin und andere zuvor klar und deutlich vor dem Kommenden gewarnt.

Winston Churchill: "Heute morgen um vier Uhr hat Hitler Russland angegriffen und ist einmarschiert. Das war für mich keine Überraschung, da ich Stalin klar und deutlich vor dem Kommenden gewarnt habe. Ich habe ihn genauso gewarnt wie ich es anderen gegenüber zuvor getan habe."

Hitler sei ein bösartiges Monster, unersättlich in seiner Gier nach Blut und Plünderung - so Churchill weiter in seiner Rede. Deshalb habe jetzt dieses blutdürstige Kind aus der Gosse seine Panzerarmeen auf ein neues Feld des Gemetzels, der Plünderung und Verwüstung schicken müssen.

Entgegen der vorherigen britischen Appeasement-Politik bekräftigte der Premierminister deshalb auch öffentlich seine Entschlossenheit, "Hitler und jede Spur des Nazi-Regimes zu vernichten". Folgerichtig kam es bereits am 12. Juli zu einem sowjetisch-britischen Allianzvertrag, der mit der Zusage gegenseitiger Unterstützung gegen Hitler-Deutschland die Bündnissituation entscheidend veränderte.

Vor allem für die USA, denn nun schien die zukünftige globale Friedensordnung unter Führung der Vereinigten Staaten und Großbritanniens gefährdet, wie sie der US-amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt anstrebte. Ohne sowjetische Beteiligung lud er daher Churchill zu einem Geheimtreffen in atlantischen Gewässern vor Neufundland ein - die Gefährdung des Schiffsverkehrs durch deutsche U-Boote demonstrativ missachtend.

Nach viertätigen Vorverhandlungen veröffentlichten die beiden Staatsmänner am 14. August 1941 eine Abschlusserklärung über Grundsätze "für eine bessere Zukunft der Welt", wie es wörtlich in dieser sogenannten "Atlantik-Charta" hieß.

Sie forderte auf dem Höhepunkt der Siege Nazi-Deutschlands in Europa, auf Gebietsveränderungen ohne freiwillige Zustimmung der betroffenen Völker zu verzichten, trat für das Selbstbestimmungsrecht der Völker vor allem bei der Wahl ihrer Herrschaftsformen ein und propagierte den gleichberechtigten Zugang zum Welthandel und zu den Rohstoffen.

Roosevelt und Churchill bekannten sich nun gemeinsam zur "endgültigen Vernichtung der nationalsozialistischen Tyrannei". Dabei hielten sie "bis zur Errichtung eines umfassenden und dauerhaften Systems der allgemeinen Sicherheit" eine Entwaffnung all jener Angreifer-Staaten für notwendig, deren Rüstung eine Bedrohung für ihre Nachbarn darstellte.

Die insgesamt acht Punkte umfassende Atlantik-Charta war zunächst nur eine Absichtserklärung über gemeinsame Kriegs- und Friedensziele - ohne völkerrechtliche Bindung. Sie berücksichtigte auch nicht die speziellen Interessen der Sowjetunion, die ihr deshalb nur unter Vorbehalt im September 1941 beitrat.

Offen blieb zudem die Schaffung einer internationalen Sicherheitsorganisation - Roosevelt hielt ein solches Konzept angesichts starker isolationistischer Strömungen in den formell noch immer neutralen Vereinigten Staaten für nicht durchsetzbar.

Gleichwohl bedeutete die Abschlusserklärung eine entscheidende politisch-moralische Weichenstellung für den Kriegseintritt der USA. Nachdem Japan am 7. Dezember 1941 jedoch den amerikanischen Pazifikstützpunkt Pearl Harbour überfallen hatte, konnte Roosevelt den Kongress bitten, den Kriegszustand mit Japan offiziell zu erklären:

Franklin D. Roosevelt: "Ich bitte den Kongress um die Erklärung, dass sich die USA seit dem grundlosen und gemeinen Angriff Japans am 7.Dezemebr 1941 im Kriegszustand mit dem japanischen Königreich befinden."

Als Antwort darauf erfolgte am 11. Dezember die deutsch-italienische Kriegserklärung an die Vereinigten Staaten, die damit endgültig in den Weltkrieg gegen die Achsenmächte eintreten mussten. Schon bald bekannte sich auf Initiative der USA eine von 26 Staaten getragene Kriegsallianz am 1. Januar 1942 zu den Grundsätzen der Atlantik-Charta, die damit wichtiger Bestandteil alliierter Kriegszielpropaganda wurde.

Die Frage ihrer Verwirklichung aber wurde bewusst offengelassen, um die gemeinsamen Kriegsanstrengungen nicht zu gefährden. Dieser "Erklärung der Vereinten Nationen" schlossen sich bis zum März 1945 noch weitere 21 Staaten an.

Nach langjährigen Abstimmungen über eine internationale Friedensordnung fand die Atlantik-Charta schließlich Eingang in den Katalog der Ziele und Grundsätze der "Charta der Vereinten Nationen" vom 26. Juni 1945. Mit Recht darf daher gesagt werden, dass deren Konzept und Organisation für ein kollektives Sicherheitssystem im Kern auf die Staatenkoalition gegen die Achsenmächte zurückgeht.

Autor: Matthias Schmitz
   
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