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13.7.1841: Zweite Londoner Konvention
Schon mal was von Mohammed Ali gehört? Klar, sagen Sie jetzt, das ist doch dieser Boxer. Aber nicht um den geht es, sondern um einen Namensvetter, der ein Jahrhundert früher lebte, aber auch über eine ziemliche Sprengkraft verfügte: zweimal brachte jener Mohammed Ali, Vizekönig von Ägypten, das Osmanische Reich an den Rand der Auflösung und die europäischen Großmächte in eine schwere internationale Krise.

1832 hatte Mohammed Ali, Syrien, das wie Ägypten eine Provinz des Osmanischen Reichs war, annektiert und war bald mit seinen Truppen bis vor die Tore Konstantinopels gelangt. Nur das Eingreifen Russlands hatte die Pforte, wie die osmanische Regierung genannt wurde, vor einer vollständigen Niederlage bewahrt.

Im Anschluss geriet die Türkei quasi unter die Schutzherrschaft Russlands, das sich u.a. das Privileg sicherte, die Meerengen des Bosporus und der Dardanellen mit Kriegsschiffen passieren zu dürfen, was traditionell allen Ländern verboten war.

1839 kam es erneut zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen dem Sultan und seinem ungetreuen Vasallen. Und wieder erlangte Mohammed Ali die militärische Oberhand. Der preußische Diplomat, Helmuth von Moltke, seit einigen Jahren als Abgesandter in der Türkei, konstatierte:

Helmuth von Moltke: "Wer der Entwicklung der Begebenheiten im Orient mit aufmerksamem Blicke folgt, kann sich nicht verhehlen, dass das türkische Reich mit immer zunehmender Schnelligkeit auf dem jähen Abhange des Verfalls hinabeilt. Wenn man die unabsehbaren Folgen bedenkt, welche das plötzliche Verschwinden des osmanischen Reichs aus dem allgemeinen Staatenverbande nach sich ziehen müsste, so kann man es der europäischen Staatskunst nicht verdenken, dass sie solche Katastrophe möglichst in die Zukunft zu schieben trachtet."

Während sich Preußen, Österreich, Russland und Großbritannien darüber einig waren, dass das osmanische Reich gestützt werden müsse, hatte sich Frankreich auf die Seite des aufständischen Ägypters geschlagen.

Im Frühjahr 1840 versuchten die fünf Mächte auf einer Konferenz in London eine Lösung zu finden - vergeblich. Ohne Frankreich beschließen die restlichen vier Mächte im Juli 1840 die "erste Londoner Konvention": Sie fordern ultimativ die Wiederherstellung der Herrschaft des Sultans in Kleinasien. Doch erst das Eingreifen der englischen Flotte nötigt schließlich den ägyptischen Vizekönig zur endgültigen Kapitulation und Räumung Syriens.

Der französische Regierungschef, schwer verstimmt durch diese Brüskierung, sah sich durch die erregte öffentliche Meinung dazu gedrängt, den anderen Mächten mit Krieg zu drohen. Allerdings war es militärisch vollkommen unrealistisch, allein gegen vier andere Großmächte Krieg zu führen, und der französische König Louis Philippe setzte im Oktober seinen Regierungschef ab und lenkte ein.

Im Juli 1841 kam es dann zu einer Einigung aller europäischen Mächte in der "zweiten Londoner Konvention", die auch die Frage der Meerengen neu regelte.

Artikel 1: "Seine Hoheit der Sultan einerseits erklärt, dass er fest entschlossen ist für die Zukunft den als alte Regel seines Reiches unwandelbar feststehenden Grundsatz aufrechtzuerhalten, kraft dessen den Kriegsfahrzeugen der fremden Mächte allzeit verboten war, in die Meerengen der Dardanellen und des Bosporus einzulaufen, und dass solange die Pforte sich in Frieden befindet, Seine Hoheit kein fremdes Kriegsschiff in besagte Meerengen zulassen wird. Und I.M. der Kaiser von Österreich, der Kaiser von Russland, der König der Franzosen, die Königin von Großbritannien und der König von Preußen verbinden sich, diese Entschließung des Sultans zu achten und sich den oben ausgesprochenen Grundsatz konform zu erhalten."

Damit wurde der Türkei offiziell die Rolle eines Hüters der Meerengen übertragen. Doch die zwei Londoner Konventionen, die beide ohne Mitwirkung der Pforte geschlossen wurden, machten eines klar: Das ehemals so mächtige Osmanische Reich war zum Spielball der europäischen Mächte herabgesunken.

Doch auch die Machtverhältnisse zwischen den Großmächten hatten sich verschoben: Der russische Einfluss in Konstantinopel wurde durch den Vertrag geschwächt, die Türkei suchte verstärkt den Anschluss an Großbritannien. Das gute Einvernehmen zwischen England und Frankreich war gestört, und die Reputation Frankreichs hatte durch sein Verhalten in der Krise Schaden genommen.

Autorin: Rachel Gessat
 
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