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17.7.1998: Flutwelle verwüstet Papua-Neuguinea
Innerhalb weniger Minuten verwandelte sich das Strandparadies in Papua Neuguinea in ein Massengrab. "Es hörte sich an, als kämen Kriegsflugzeuge", beschrieb eine Überlebende das Herannahen der gigantischen Flutwelle. Was sich an der Nordwestküste in der Nacht vom 17. auf den 18. Juli 1998 abspielte, war die schlimmste Naturkatastrophe, die den Pazifikstaat jemals heimgesucht hatte.

Das Fischerdorf Arop wurde dem Erdboden gleichgemacht, in sechs anderen Orten blieb kaum ein Haus stehen. Mehr als 2000 Menschen riss die haushohe Flutwelle mit in den Tod, unter den Opfern zahlreiche Kinder. Sie hatten Schulferien und waren fast alle zu Hause. Mehrere Tausend Menschen wurden obdachlos. Die Wassermassen spülten Trümmer von Häusern, Booten, Schulgebäuden und Geschäften weit ins Landesinnere.

Solche Flutwellen rollen immer wieder über die Weltmeere. Sie können bis zu 30 Metern hoch werden. Experten sprechen von Tsunamis. Ludwig Ellenberg, Professor für Geographie an der Humboldt Universität in Berlin erläutert den Begriff:

Ellenberg: "Der kommt aus dem Japanischen, ich hab mal ein Jahr in Japan gelebt, und es heißt eigentlich 'lange Welle' oder 'Meereswelle', und wie viele dieser Sachen auch aus dem Erdbebenbereich kommen eben die Ausdrücke aus Japan, was obwohl es ein Industrieland ist von der Natur sehr gebeutelt wird."

Die Hilfsaktion in Papua Neuguinea gestaltete sich schwierig, weil Straßen und Brücken zerstört waren. Ein Zugang zu dem 25 Kilometer langen überfluteten Küstenstreifen war nur aus der Luft oder vom Meer aus möglich. Viele der Überlebenden hatten schwere Knochenbrüche oder innere Verletzungen erlitten, sie waren von den Wassermassen gegen Felsen und Gebäude gedrückt worden. Die Kliniken waren mit der Versorgung der Opfer überfordert, es fehlten Antibiotika, Blutkonserven und Ärzte. Vor allem Australien gewährte finanzielle und personelle Hilfe.

Die Flutwellen werden durch Verschiebungen am Meeresboden oder durch Erdrutsche im Tiefseebecken ausgelöst. Meistens jedoch durch Seebeben, erklärt Ludwig Ellenberg:

"Dadurch wird eine Erschütterung ausgelöst, als wenn man in einer Badewanne irgendwo an den Rand schlägt. Dann gibt's ja auch 'ne kleine Welle, und diese Welle ist gar nicht hoch, vielleicht nur 50 Zentimeter, man spürt sie also gar nicht auf dem Ozean. Aber sie ist bis zu 300 Kilometer lang und die Geschwindigkeit der Ausbreitung die ist tiefenabhängig. Die kann also bis zu 700 Kilometer schnell gehen, diese Welle auf dem tiefen Ozean, aber im Flachwasser nur noch vielleicht 20 Kilometer pro Stunde, und dadurch läuft sie dann auf und kann sich zu gewaltiger Höhe dann aufschaukeln, bis zu 30 Metern."

Das heißt erst beim Anbranden gegen die Küste zeigen die Tsunamis ihr wahres Gesicht. Nach Angaben des Geophysikalischen Instituts von Papua Neu-Guinea wurde die Flutwelle dort durch zwei schwere Seebeben ausgelöst. Sie erreichten die Stärke 7,0 auf der Richterskala.

Im Pazifik, wo die meisten Tsunamis ihr Unwesen treiben, sind schon seit Jahrzehnten Warndienste aktiv. Sie berechnen wann eine Welle an welchem Küstenabschnitt eintrifft. Jede Sekunde zählt, denn für die Warnung bleibt oft keine halbe Stunde. Die Japaner sind Weltmeister im Kampf gegen die Uhr. Doch die Opfer in Papua Neuguinea hatten keine Chance; der Herd des Bebens lag nur 25 Kilometer vor der Küste. Für diese Distanz braucht eine Flutwelle nur Minuten.

Ellenberg: "Wenn die Leute nicht dauernd am Radio hängen, dann hören sie das ja erst viel zu spät. In Japan ist natürlich bei besserer Infrastruktur viel mehr zu machen, über Fernsehen, was dauernd läuft in den Familien, über Lautsprecher über Internet usw. Aber in ländlichen Gegenden der Tropen, wo also diese ganze Infrastruktur der Kommunikation nicht da ist, da gibt es wohl keine Möglichkeit rechtzeitig zu warnen, da sind es Schläge, die rein hauen, und man denkt ja vielleicht, dass sogar Atlantis oder andere Städte, die man mal so am Meeresufer hatte, mit Tsunamis zusammenhängen."

Die Menschen in Papua Neuguinea haben die Katastrophe vom Juli 1998 noch längst nicht vergessen. Viele betrachteten die Flutwelle als Strafe Gottes und litten unter Schuldgefühlen, erzählt der Botschafter und einzige Vertreter seines Landes in Deutschland Peter David Raka. An der Nordwestküste wolle niemand mehr gerne leben.

Autorin: Nicole Engelbrecht
   
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