Kalenderblatt dw.com
 
11.8.1952: Proklamation König Husseins
Hussein Ibn Talal ist erst 16 Jahre alt, als er Zeuge des Mordes an seinem Großvater Abdallah wird. Hussein ist der älteste Sohn des damaligen jordanischen Kronprinzen Talal. Er entstammt der Dynastie der Haschemiten, die sich als direkte Nachkommen des Propheten Mohammed betrachten. Sein Großvater Abdallah stirbt im Juli 1951 durch die Hand eines Palästinensers in der Al Aksa Moschee in Jerusalem, nachdem bekannt geworden war, dass Abdallah geheime Verhandlungen mit Vertretern des Staates Israel geführt hatte.

Nachfolger des ermordeten Großvaters wird zunächst Husseins Vater Talal, der jedoch wegen eines unheilbaren Nervenleidens nach einem Jahr wieder abgesetzt wird. An seiner Stelle wird der noch nicht volljährige Hussein am 11. August 1952 zum König von Jordanien proklamiert. Hussein gewinnt überraschend schnell politisches Format, obgleich seine Herrschaft von Anfang an schweren Belastungsproben ausgesetzt ist.

Durch die jordanische Beteiligung am Krieg gegen Israel im Juni 1967 verliert Husseins Königreich mit dem Westjordanland und Ost-Jerusalem mehr als ein Drittel seines Staatsgebietes - zudem hat das Land eine Flüchtlingswelle aus den israelisch besetzten Gebieten zu verkraften. Diese bis dahin schwerste politische Belastungsprobe steigert sich noch, als die PLO 1970 versucht, den Haschemiten-Thron zu stürzen. Der Aufstand wird von Husseins Truppen blutig niedergeschlagen.

Die meisten arabischen Staaten brechen ihre diplomatischen Beziehungen zu Amman ab. Erst der Jom-Kippur-Krieg 1973 befreit das Land aus seiner politischen Isolierung. Der ständige Balanceakt zwischen der grundsätzlichen Anerkennung der Existenz des Staates Israel und der Furcht vor den Folgen einer aktiven Umsetzung dieser Anerkennung bestimmt Husseins Politik in den folgenden Jahren.

Nach dem Golfkrieg 1991 versucht Hussein mit Hilfe einer weitgespannten Reisediplomatie in Europa und neuen Kontakten zu den USA einer friedlichen arabischen Lösung den Weg zu ebnen. Im Juli 1994 wird in Washington beim ersten offiziellen Treffen Husseins mit dem israelischen Regierungschef Jitzak Rabin der seit 46 Jahren bestehende Kriegszustand formell beendet und dann offiziell Frieden geschlossen. Am 10. November 1994 reist Hussein zu seinem ersten offiziellen Besuch nach Israel.

Mittlerweile nimmt er einen festen Platz als Vermittler im Nahostfriedensprozess ein. Diplomatisch, gemäßigt, weltgewandt - und erfolgreich. Im April 1998 wird ihm der Deutsche Medienpreis in Baden-Baden verliehen. Roman Herzog hält die Laudatio:

"Sucht man nach den Wurzeln Ihres unbeirrbaren Friedenswillens und des bedingungslosen Einsatzes für Ihr Volk, so haben Sie uns selbst den Schlüssel dafür gegeben: Nach Ihrem eigenen Bekenntnis war es die Ermordung Ihres Großvaters, König Abdallah, im Jahre 1951, die den größten Einfluss auf Ihr politisches Leben hatte. Abdallah verlor durch ein Attentat in der Al Aksa Moschee sein Leben. Sie selbst standen nur wenige Meter von ihm entfernt und entgingen der für Sie bestimmten Kugel nur durch ein Wunder: Das Geschoss blieb in einem der Orden Ihrer Uniform stecken, auf der Ihr Großvater an diesem Tag bestanden hatte. Welch eine Fügung! Noch am Vorabend hatte der König Ihnen in visionärer Voraussicht das Versprechen abgenommen, stets das Beste für Ihr Land zu geben und dem Volk Jordaniens verantwortlich zu dienen. Sie haben dieses Vermächtnis erfüllt. Trotz dieser traumatischen Erfahrung ist aus Ihnen ein Kämpfer geworden. Ein Kämpfer für Frieden und Aussöhnung."

Zu diesem Zeitpunkt ist Hussein schon von einem Krebsleiden gezeichnet. Eine Behandlung in den Vereinigten Staaten ist vergeblich. Am 5. Februar 1999 wird er - bereits klinisch tot - nach Amman zurückgebracht. Einen Tag später wird sein Sohn Abdallah Ibn Hussein als Regent vereidigt.

Am 7. Februar 1999 erliegt Hussein endgültig seinem Krebsleiden. Sein Tod findet ein ungewöhnliche Echo, vor allem bei der Bevölkerung, und seine Beisetzung gestaltet sich zu einem politischen Ereignis von ungewöhnlicher Bedeutung. Unter den Trauergästen sind allein 17 aktive Staatschefs und 13 Monarchen, Bill Clinton ebenso wie die ehemaligen US-Präsidenten Bush, Ford und Carter. Israel ist gleich mit mehreren Delegationen vertreten, und über das Grab hinweg salutieren Feinde und Freunde gemeinsam dem toten König.

Autorin: Doris Bulau
   
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Frisch, fromm, fröhlich, frei!
  > Friedrich Ludwig Jahn
> RSS Feed
  > Hilfe
Wann wurde der Georg-Büchner-Preis erstmalig verliehen?
  1923
  1905
  1949
  Newsletter abonnieren
  Versenden Sie virtuelle Grüße