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15.8.1248: Grundsteinlegung Kölner Dom
Chronik des Klosters St. Pantaleon zu Köln, 1248: "Konrad aber, der Erzbischof, rief die Prälaten der Kirche, die Großen des Landes und seine Beamten zusammen, ließ durch das mahnende Wort von Predigern eine große Volksmenge herbeiströmen und legte am Tage der Himmelfahrt der seligen Jungfrau Maria nach der feierlichen Messe den ersten Stein. (...) Von dieser Zeit an also wurde das Fundament der neuen Basilika des heiligen Petrus, also des Kölner Domes, in wunderbarer Breite und Tiefe mit gewaltigen Kosten zu bauen angefangen."

Ein Mönch beschreibt die Geburtsstunde eines Weltwunders. Konrad von Hochstaden, Erzbischof von Köln, legt am 15. August 1248, Maria Himmelfahrt, den Grundstein für den größten Kirchenbau der Christenheit. Ein irdisches Abbild des himmlischen Jerusalem soll er werden, Gottes Größe soll er preisen. Und die des Erzbischofs. Was einst Meister Gerhard entwirft, wird heute von Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner betreut.

Prof. Dr. Barbara Schock-Werner: "Der Vorgängerbau war ja bereits eine der größten Kirchen Europas gewesen, und er sollte nun ersetzt werden durch einen noch größeren gotischen Dom, für den man die Kathedralen Frankreichs als Vorbild genommen hat, die man aber gleichzeitig zu übertreffen suchte, um deutlich zu machen, dies ist das wichtigste Erzbistum. Zugleich war aber die Kirche die bedeutendste Wallfahrtskirche Europas. Und auch das musste die neue Architektur ausdrücken."

80 Jahre zuvor bringt Erzbischof Reinald von Dassel die Gebeine der Heiligen Drei Könige von Mailand nach Köln. Der alte Dom ist nicht mehr prächtig genug als Heimat für die kostbare Reliquie. Außerdem sind die wuchtigen Formen der Romanik aus der Mode.

Die Gotik hält Einzug in die Architektur. Keine Quader mehr, die auf der Erde lasten, nur noch steinerne Wälder aus Säulen, die wie Lichtstahlen in den Himmel schießen. Die Vision muss mehr als ein halbes Jahrtausend überleben. Als der Dom endlich fertig wird, ist es aber immer noch der, den einst Meister Gerhard entworfen hat.

Prof. Dr. Barbara Schock-Werner: "Das Besondere am Kölner Dom, an seiner Architektur ist ja, dass die Jahrhunderte kaum ihre Spuren darin hinterlassen haben. Der Kölner Dom ist bis zum Ende der Bauzeit im Jahr 1880 im Grunde nach den Plänen Meister Gerhards gebaut worden. Daher hätte er vielleicht in kleinen Details anders ausgesehen, aber doch im Großen und Ganzen so, wie er heute aussieht."

632 Jahre wird es am Ende dauern, bis das kolossale Werk vollendet ist. In den ersten zweihundert Jahren hemmt die Pest. Dann kommt die Reformation. Für die katholische Kirche geht es um die Existenz. Ein neuer Dom ist nicht mehr so wichtig, der Bau wird eingestellt. Es bleibt ein Chor, der Stumpf eines Turmes und dazwischen Brachfläche, 300 Jahre lang. Erst der kunstsinnige Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. wird den Dom nach den Originalplänen fertig bauen lassen.

Kaiser und Könige, ein Papst, Künstler, Gelehrte und bis zu 20.000 Touristen am Tag besuchen im Lauf der Jahre den Kölner Dom. Und niemanden läßt es kalt, das Gebirge aus 160.000 Tonnen Stein, aufgelöst in 11.000 Ziertürmchen, Säulen, Bögen, Maßwerk und die beiden zweithöchsten Kirchtürme der Welt.

Prof. Dr. Barbara Schock-Werner: "Man lebt mit dem Dom, man fürchtet manchmal um den Dom, man hat wirklich eine ganz enge emotionale Bindung an das Gebäude. Wobei ich immer versuche, einen Hauch Distanz dennoch zu waren, um nicht allzu parteiisch zu werden. Aber trotzdem - die Bindung ist natürlich viel stärker, als in irgend einem anderen Beruf."

Als der Grundstein zum Dom gelegt wird, entsteht eine Legende: Wenn er fertig sei, ginge die Welt unter. Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner sieht's gelassen:

Prof. Dr. Barbara Schock-Werner: "Fertig gibt es nicht. Das Beste, was wir tun können, ist, ständig mit dem Verfall Schritt zu halten. Wenn uns das gelingt, sind wir gut."

Autorin: Catrin Möderler
   
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