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1.12.1955: Nicht mehr "hinten im Bus"
Die auf den ersten Blick unspektakuläre Aktion einer schwarzen Frau in Montgomery, Alabama wurde zum Markstein in der Geschichte der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. 1955 weigerte sich Rosa Parks, ihren Sitz im Bus für einen Weißen aufzugeben. Tausende folgten daraufhin ihrem Beispiel und boykottierten 382 Tage lang die Busse des öffentlichen Nahverkehrs.

In Montgomery waren die ersten Reihen in den Bussen per Gesetz für weiße Passagiere reserviert, dahinter kamen die Sitze, die von Schwarzen benutzt werden durften.

Am 1. Dezember 1955 fuhr Rosa Parks nach der Arbeit mit dem Bus nach Hause. Sie nahm im mittleren Teil Platz. Als der weiße Busfahrer sie und drei weitere schwarze Passagiere aufforderte, für Weiße aufzustehen, weigerte sich Rosa Parks. Sie blieb einfach sitzen, worauf sie verhaftet und ins Gefängnis gebracht wurde.

Der stille Protest von Rosa Parks sprach sich schnell herum. Um gegen die diskriminierende Rassentrennung vorzugehen, bereitete daraufhin der Women's Political Council einen Boykott der Buslinien vor. Unterstützt wurde der Boykottaufruf auch von Martin Luther King Jr.

Der Aktivist und Künstler Harry Belafonte erinnert sich daran, wie King ihn anrief und die Aktionen zur Unterstützung der Frau, die als "Mutter der Bügerrechtsbewegung" in die Geschichte einging, auch sein Leben veränderten.

Harry Belafonte: "Die Aktion von Rosa Parks versetzte uns in die Lage, einen Schlag gegen die politisch und sozial unterdrückenden Ideen zu führen, die unsere Gesellschaft prägten. Als Dr. King mich anrief und um ein Treffen bat, war es das erste Mal, dass ich sozusagen 'offiziell' für diese Sache auftreten konnte. Als wir dann zusammen kamen und über seine Pläne sprachen, wusste ich, dass es von nun an meine neue Aufgabe war, mich für die von ihm und Rosa Parks geführte Bewegung zu engagieren. Es war eine große Zeit."

Wenige Tage nach der spontanen Aktion von Rosa Parks nahmen Tausende von Schwarzen keinen Bus mehr zur Arbeit. Während die lokalen Verkehrsbetriebe von Tag zu Tag immer größere Verluste einfuhren, liefen die Schwarzen - oft kilometerweit - singend und händehaltend zu Fuß. Dabei wurden sie immer wieder von einem weißen Mob beschimpft und angegriffen.

Zu den prominenten Unterstützern des Busboykotts gehörte auch die Gospel-Sängerin Mahalia Jackson. Um in den Gefängnissen einsitzenden Boykotteuren zu helfen, führte sie zahlreiche Benefizkonzerte durch.

Mahalia Jackson: "Es wäre nicht ehrlich, wenn ich sagen würde, dass ich nicht glücklich darüber bin, als erste Gospelsängerin in der Carnegie Hall aufgetreten zu sein und in der Albert Hall in England gesungen zu haben. Dafür bin ich dankbar. Aber wahres Glück ist für mich, in den Gefängnissen für die zu singen, die von der Welt abgeschlossen sind."

Am 13. November 1956 hob der Oberste Gerichtshof der USA die Rassendiskriminierung in Bussen in Montgomery auf. Wenige Wochen später wurde die Stadt gezwungen, das Urteil umzusetzen. Am 21. Dezember 1956 stiegen dann Martin Luther King und der weiße Geistliche Glen Smiley in einen Bus und nahmen gemeinsam in der ersten Reihe Platz.

Im Juni 1999 verlieh US-Präsident Bill Clinton der damals 88-jährigen schwarzen Bürgerrechtlerin die Goldene Medaille des US-Kongresses. Bei der Verleihungszeremonie sagte Clinton, Rosa Parks habe mit ihrer Aktion Amerika daran erinnert, dass für Millionen von Menschen das Versprechen auf ein freies Leben illusorisch gewesen sei. In ihrer Entgegnung bezeichnete Parks die Ehrung als Ermutigung für alle, den Kampf für gleiche Rechte für alle Menschen fortzuführen.

Rosa Parks starb im Alter von 92 Jahren am 21. Oktober 2005 in Detroit.

Autor: Michael Kleff
   
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