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1.1.1867: Alfred Nobel erfindet das Dynamit
So klang es wenige Jahre nach seinem Tod, und seitdem wiederholt sich die Zeremonie alljährlich im Dezember, wenn in Stockholm die nach ihrem Stifter benannten Nobel-Preise verliehen werden.

Der schwedische Chemiker und Großindustrielle Alfred Nobel hat sich damit selbst ein ideelles Denkmal gesetzt, obwohl die Stiftung sicherlich nicht nötig gewesen wäre, um die Nachfahren zu erinnern. Denn Alfred Nobel, der hochbegabte Erfinder, entdeckte das Dynamit, den Sprengstoff, der es Ingenieuren möglich machte, die Welt schneller zu verändern. Am 15. Oktober 1863 erhielt Nobel das weltberühmte Patent, welches er mit den Worten beantragt hatte, er sei:

"...aus theoretischen Gründen zu dem Schluss gekommen, dass, wenn die Wärme des Pulvers dem Nitroglyzerin mit der Schnelligkeit mitgeteilt werden kann, die zur Explosion erforderlich ist, auch die noch größere Wärmeentwicklung des Nitroglyzerins mit Hilfe des Schlages und Drucks der gebildeten Gase seine eignen Explosion unterstützen können."

Genaugenommen war dies noch nicht die Erfindung des Dynamits, sondern der Patentantrag beschreibt, wie das von einem Italiener erfundene Nitroglyzerin mit einem so genannten Initialzünder besser handhabbar wird. Denn bis dahin traute sich niemand, für Sprengungen Nitroglyzerin einzusetzen, weil die Sprengkraft nicht zu bändigen war.

Das gelang der Erfindung Nobels. Allerdings passierten auch trotz Einsatz des Nobelschen Zunders grässliche Unfälle, bis der Tüftler herausfand, dass Nitroglyzerin vor allem im flüssigem Zustand ein unsicheres Teufelszeug ist.

Daraufhin mischte Nobel das Nitroglyzerin mit Kieselerde und goß die Masse in quadratische Pappröhrchen: Die Dynamitstange war geboren, und zumindest jeder Anhänger von US-amerikanischen Western aus den 1950er Jahren hat eine Vorstellung davon, wie sie aussieht.

Vor allem in Nordamerika wurden mit Dynamit Berge bewegt und Felsen weggesprengt, um Schienen für Eisenbahnen zu verlegen und Straßen zu bauen. Aber auch in Europa wäre die Donau ohne den Einsatz von Dynamit teilweise nicht befahrbar, und die Gotthard-Linie in der Schweiz hätte Ende des 19. Jahrhunderts auch nicht gebaut werden können.

Allerdings feierte das Dynamit nicht nur in zivilem Einsatz Erfolge. Premiere auf dem Schlachtfeld hatte der Sprengstoff als Proto-Bombe im deutsch-französischen Krieg 1870/1871. Alfred Nobel war sich über den militärischen Nutzen seiner Erfindung im Klaren, setzte jedoch auf das Prinzip der Abschreckung. Seiner engen Freundin, der Pazifistin Bertha von Suttner, schrieb er 1892:

"Fabriken können sehr gut eher ein Ende mit den Kriegen machen als ihre ganzen Kongresse. An dem Tage nämlich, an dem zwei Armeen in der Lage sein werden, sich gegenseitig in Sekundenschnelle zu vernichten, werden wohl alle zivilisierten Nationen vor einem Krieg zurückschrecken und ihre Truppen nach Hause schicken.

Trotzdem besuchte Alfred Nobel anonym die Friedenskongresse seiner Freundin Bertha von Suttner und spendete wiederholt größere Geldsummen für ihre pazifistische Mission. Selbst in den Vordergrund treten, im Mittelpunkt stehen, wollte er dabei nie. Das Dynamit, andere Sprengstoffe wie Sprenggelantine und Ballistit, sowie viele weitere Erfindungen hatten ihn zum Millionär gemacht: Nobel besaß Ende des 19.Jahrhunderts fast 100 Fabriken für Sprengstoff und über 300 Patente.

Aber glücklich war er wohl nicht. Er lebte einsam, an sich selbst und der Welt zweifelnd, beständig kränkelnd. Und so starb er auch alleine, einer der folgenreichsten Erfinder der Menschheit, der sich selbst so beschrieben hatte:

"Alfred Nobel, kümmerliches Halbdasein, hätte von einem menschenfreundlichen Arzt umgebracht werden sollen, als er heulend seinen Einzug ins Leben hielt. Größte Verdienste: sich die Nägel rein zu halten und nie jemandem zur Last zu fallen. Größte Fehler: keine Familie, keine gute Laune und keinen guten Magen zu haben."

Doch Nobel hatte bei aller Misanthropie auch Ideale. Das aus Dynamit gewonnene Geld sollte sinnvoll und langfristig angelegt werden. Als er 1896 starb, hinterließ er ein auf neun Länder verteiltes Vermögen von damals immensen 33 Millionen Schwedenkronen, und nach seinem Testament sollte das Geld fast ausschließlich in eine Stiftung fließen:

"Über mein ganzes übriges realisierbares Vermögen wird auf folgende Weise verfügt: Das Kapital soll einen Fonds bilden, dessen Zinsen jährlich als Preisbelohnung an diejenigen verteilt werden sollen, die im verlaufenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erwiesen haben."

Autorin: Gerda Meuer
   
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