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7.4.1348: Erste deutsche Universität
Die Herren in den knöchellangen Talaren waren neu im mittelalterlichen Stadtbild Prags. Alte Stiche zeigen die ersten handverlesenen Hochschullehrer im Kreise weniger wissenshungriger Studenten.

Gerufen wurden die gelehrten Persönlichkeiten von Karl IV., einem der wenigen gebildeten Herrscher seiner Zeit. Er persönlich sorgte dafür, dass Wissenschaft und Künste nicht mehr nur an den Hohen Schulen zu Paris und Bologna gelehrt und gelernt wurden. Und so veranlasste der römisch-deutsche Kaiser und böhmische König vor etwas mehr als 650 Jahren die Gründung der nach ihm benannten Karls-Universität. Karl machte damit die neue Alma mater nicht nur zu einer Institution seines Reiches, sondern legte mit ihr den Grundstein für die älteste Hochschule Mitteleuropas und damit die erste deutsche Universität.

Die Prager Karls-Universität machte sich schnell einen Namen. Gelehrte und Lernhungrige aus dem ganzen Reich kamen zum Studium generale an den vier Fakultäten zusammen. Karl IV. - selbst literarisch tätig - ließ die Professoren über Theologie und Philosophie, Medizin, Rechtswissenschaften sowie die Sieben Freien Künste dozieren:

"Damit unsere getreuen Untertanen, welche es nach der Frucht der Wissenschaft unaufhörlich hungert, im Lande den Tisch des Males finden und es für überflüssig achten, Wissenschaft suchend den Erdkreis zu umwandern, fremde Völker aufzusuchen, oder in auswärtigen Ländern zu betteln, vielmehr es für rühmlich halten, fremde Süßigkeit zu dankbarer Teilnehmung heranzuziehen."

Die Studierenden gliederten sich - ganz nach dem Vorbild der Pariser Hochschule - in so genannte "nationes": die bayerische, die böhmische, die polnische und die sächsische. Jede dieser Nationen verfügte für alle universitären Beschlüsse zunächst über eine Stimme. Das änderte König Wenzel IV. im "Kuttenberger Dekret" auf Betreiben von Reformator Johannes Hus. Als Rektor der Universität verschaffte er Böhmen drei Stimmen und den Deutschen eine. Damit gelang eine Machtverschiebung im Kampf mit dem Erzbischof und dem Domkapitel. Die Folge: Bayern, Sachsen und Polen verließen die Universität und gründeten in Leipzig eine neue.

Im 16. Jahrhundert waren es vor allem konfessionelle Parteien, die sich befehdeten. Die Jesuiten gründeten ihr eigenes Institut. Anfang des 17. Jahrhunderts zogen von der Universität aus protestantische Habsburg-Gegner los, um die kaiserlichen Statthalter aus dem Fenster zu stürzen. Ende des 19. Jahrhunderts kam es zur Spaltung in eine tschechische und eine deutsche Universität, was energische Proteste nach sich zog. Dies gipfelte nach der Gründung der CSR in einem deutsch-tschechischen Insignienstreit, als die Hochschule offiziell zur Universita Karlova wurde.

Erst der Nationalismus des 19. Jahrhunderts führte zum Bennennungsstreit, denn erst seit dieser Zeit spricht man von der "ersten deutschen" respektive der "ersten tschechischen" Universität. Und dies obwohl Deutsch als Unterrichtssprache erst 1781 Latein ersetzte und durch die sprachliche Zweiteilung in Prag erst 1882 eine tschechische und eine deutsche Universität entstanden waren.

Studentendemonstrationen gegen die Besetzung durch die Nazis führte zur Schließung aller Hochschulen. Die Karlsuniversität öffnete aber direkt 1946 wieder ihre Tore. Auf die Zerschlagung des Prager Frühlings folgten massive, von der Universität organisierte Proteste. Jan Palach, ein 20-jähriger Philosophiestudent, zündete sich aus Protest gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten an und war drei Tage später seinen Verletzungen erlegen.

Rund 33.000 Studierende sind Anfang des 21. Jahrhunderts an der Karls-Universität eingeschrieben.

Autorin: Petra Kohnen
   
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