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26.9.1887: Grammophon vorgestellt
Der italienische Startenor Enrico Caruso machte die Schallplatte weltweit salonfähig. Als einer der ersten klassischen Interpreten verewigte er 1902 seine Stimme auf einer schwarzen Schellackscheibe. Bis dahin war es ein weiter Weg:

Der Erfinder Thomas Alva Edison hatte bereits 1877 ein Gerät für Stimmaufnahmen patentieren lassen, den so genannten Edison-Phonographen. Über das verjüngte Ende eines Trichters spannte er eine Membran mit einer Schneidnadel, die über einer Stanniolwalze angebracht wurde.

Drehte man die Walze und sprach gleichzeitig in den Trichter hinein, dann bewegte sich die Nadel durch die schwingende Membran auf und ab und hinterließ ihre Spuren auf der Walze in Punktschrift, auch Tiefenschrift genannt. Um möglichst viel Druck auf die Nadel auszuüben, mussten die Stimmen sehr kräftig sein, so dass lange Zeit Schlager und Marschmusik bei den Walzen- und auch später noch bei den Schallplattenaufnahmen vorherrschten.

Die Edison-Phonographen hatten aber einen entscheidenden Nachteil: Man konnte die Walzen nicht vervielfältigen und auch die Tonqualität ließ noch sehr zu wünschen übrig. Da aber Edison seine Technik patentiert hatte, mussten sich Erfinder, die seine Ideen weiterentwickeln wollten, neue Systeme ausdenken. Am 26. September 1887 meldete der Deutsch-Amerikaner Emile Berliner ein Gerät beim Patentamt in Washingtoner an, das er "Grammophon" nannte.

Monika Riemke von der Schallplattenfirma EMI-Electrola erklärte: "Grammophon ist aus dem Griechischen. Das eine ist Gramma, das heißt Schrift, geschrieben und Phon soll heißen Ton, Stimme."

Mit seiner Erfindungsgabe hatte es der deutschstämmige Emile Berliner bis in die obersten Etagen der amerikanischen Bell Telephone Company gebracht, die ihm sein Patent für ein Fernsprechermikrofon abgekauft hatte. Emile Berliner interessierte sich aber nicht nur für die Schallübertragung, sondern auch für die Schallaufzeichnung und da insbesondere für die Patente Edisons, die er weiter ausarbeitete.

Für sein Aufzeichnungs- und Wiedergabegerät, das Grammophon, entwickelte er ein Seitenschriftverfahren, das John Krämer, Überspielungstechniker bei EMI Electrola, so erklärte: "Er hat die Schneidnadel im Winkel zur Membran um 90 Grad abgekippt, so dass die Schallwellen jetzt seitlich auftrafen, die Schneidnadel dadurch eine horizontale Bewegung machte, d. h die Rille war gleich bleibend tief. Er konnte eine flache Scheibe verwenden, quasi die erste Schallplatte, und weil sie flach war, konnte man die duplizieren und pressen."

Noch bis in die 1950er Jahre hinein wurden die Schallplatten aus Schellack gepresst, eine Mischung aus Schwerspat, Ruß und Tierhaaren. Um eine Matrize für die Vervielfältigung herzustellen, wurden Zinkscheiben mit einer flüssigen Wachsschicht überzogen, in die die Schneidnadel die Rillen ritzte.

Die Prozedur zur Aufnahme war noch recht umständlich, wie Alfred Kaine, Repertoiremanager bei der Deutschen Grammophon in Hamburg, erklärte: "Das Orchester, das Ensemble, stand oder saß vor einem Horn, die Sängerin war auf einer Plattform auf Rädern. Als es laut wurde, wurde sie weggezogen, als es leise wurde, wurde sie hingeschoben und hinter einem Vorhang kochte ein Techniker das Wachs."

Ein weiterer Nachteil: Die ersten Grammophone funktionierten noch mit Handkurbelbetrieb. Nicht gerade ein Hörgenuss, was sich auch in den mangelnden Verkaufszahlen niederschlug. Erst der Federmotor und die Stimme von Caruso verhalfen dem Grammophon zum Durchbruch.

Einen Fortschritt in der Tonqualität brachten die elektrischen Aufnahmeverfahren in den 1920er Jahren; Mikrofon und Lautsprecher ersetzten den Trichter. In den 1950er Jahren kam die Vinylplatte auf den Markt, ab 1957 in Stereo. Die Zeit von Schellack und Grammophon war endgültig vorbei.

Nur im Markenzeichen einer Schallplattenfirma blieb das Grammophon erhalten: Bereits 1900 hatte die "Gramophon Company" eine Zeichnung von Henry Barraud als Logo gewählt. Es ist der berühmte Hund Nipper, der vor einem Grammophon sitzt und der Stimme seines Herrn lauscht.

1931 bildeten die "Gramophon Company" und die "Columbia Graphophone Company" die Holding-Gesellschaft "Electric and Musical Industries", kurz EMI genannt. Bis heute hat die Gesellschaft das Emblem mit Hund und Grammophon als Logo beibehalten. Und nicht nur das ist von der einstigen Erfindung Emile Berliners geblieben. Obwohl die Compact Disc 1982 ihren Siegeszug angetreten hat, presst EMI auch heute noch Vinylplatten.

John Krämer von EMI sagte: "Bei einer Stereoplatte passieren beide Bewegungen, da haben wir gleichzeitig Tiefen- und Seitenschrift, sonst könnte man keine zwei Kanäle aufzeichnen. Die Vinylplatten, die wir heute machen, da ist quasi der linke Kanal der Edison und der rechte Kanal ist der Berliner."

Autorin: Gaby Reucher
   
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