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23.6.1894: Olympische Spiele beschlossen
Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit, 1896 in Athen, waren eingeläutet. Jahre vorher wurde die Idee dazu entwickelt. Es galt nur noch zahlreiche Wiederstände zu überwinden.

Die treibende Kraft bei der Wiederbelebung des antiken Wettkampfs war der französische Aristokrat und Historiker Pierre de Coubertin. Ein Kräftemessen im Stile des alten Griechenlands; belächelt wurde er dafür, meistens aber ignoriert.

De Coubertins Ansporn war nicht nur der verklärte Blick auf die Geschichte. Der junge Baron war ein glühender Patriot und tief bekümmert über den Zustand seiner Grande Nation. Frankreich war in seinen Augen Ende des 19. Jahrhunderts geschwächt durch ständige Machtwechsel und militärische Niederlagen. Sein Ziel konnte also nur lauten "die schlaffe Jugend von Stubenhockern körperlich und charakterlich in Form zu bringen". Er wollte ein Gleichgewicht zwischen der körperlichen und geistigen Ausbildung schaffen.

Um seine Vorstellungen umsetzen zu können, gründete de Coubertin ein "Komitee zur Verbreitung der Körperübungen in der Erziehung". Er kümmerte sich um Sponsoren und warb mit dem Hinweis auf die Zukunft Frankreichs, die auf dem Spiel stehe.

Als ideale Kulisse der Körperertüchtigung schwebte dem Historiker ein Wettkampf nach dem Vorbild der Olympischen Spiele vor, die wurden vor 1500 Jahren zum letzten Mal abgehalten. Wie einst in Griechenland, sollten die Völker fernab allem kleinlichen Nationalismus im friedlichen Wettstreit sich vereinen.

De Coubertin: "Man kann von den Völkern nicht verlangen, in bester Freundschaft miteinander zu leben. Aber man kann sie auffordern, sich gegenseitig zu respektieren. Das ist keine Utopie. Um sich aber zu respektieren, muss man sich erst einmal kennen lernen."

De Coubertin lud 1894 zu einem internationalen Kongress in die Pariser Sorbonne. 79 Sportfunktionäre aus 13 Staaten folgten dem Ruf. Über Amateursport sollte diskutiert werden, tatsächlich aber ging es de Coubertin um die Wiederbelebung der Olympischen Spiele.

Das Versteckspiel hatte seine Gründe: Bereits zwei Jahre zuvor hatte er an gleicher Stelle die Idee einer Olympiade - ohne nennenswerten Erfolg. Diesmal sollte er glühende Anhänger für seine Idee finden. Die Austragung der Olympischen Spiele wurde beschlossen.

Als ersten Austragungsort hatte man sich auf Athen geeinigt. Außerdem wurde bei dem Kongress in Paris das IOC, das Internationale Olympische Komitee, gegründet und die wichtigsten Prinzipien verabschiedet. Das war am 23. Juni 1894.

Zwei Jahre später trafen sich dann 295 Sportler aus 13 Nationen in der griechischen Hauptstadt. Ein Sammelsurium aus Amateuren, Sportlern zweiter Wahl und Verlegenheitsmannschaften, Frauen waren erst gar nicht zugelassen. Die Olympischen Spiele der Neuzeit waren anfänglich weit davon entfernt, ernst genommen zu werden von den nationalen Sportverbänden. Doch, dem IOC Vorsitzenden de Coubertin war viel wichtiger:

De Coubertin: "Nach den Aufregungen auf dem Schlachtfeld, ist für den Patriotismus nichts so fördernd wie die Aufregung auf dem Sportplatz."

Erst die Spiele nach Athen, in Paris und vor allem London 1908 verhalfen der Olympiade allmählich zum Durchbruch. Welche Macht der Sport und besonders Olympia ausstrahlen, erkannten die Jahre darauf auch die Nationalsozialisten.

Hitler: "Hiermit erkläre ich die elften Olympischen Spiele für eröffnet."

Die Olympiade von 1936 in Berlin wurde zum Spielball der Propaganda. Jahre darauf verkamen die Spiele zum politischen Druckmittel. Die Folge waren die Boykottspiele von Moskau und Los Angeles. Das IOC hat sich heute von der Politik emanzipiert und wacht über einen mächtigen Wirtschaftsfaktor - nicht frei von Skandalen. Walther Tröger, Mitglied im IOC, über den Wandel seit de Coubertin.

Tröger: "Es ist natürlich heute ganz anders als es Coubertin sich vorgestellt hat. Ich glaube, dass diese Olympischen Spiele ihren Status in unserer Gesellschaft haben. Wie sie sich entwickeln werden weiß man nicht. Nur wenn sie aufgegeben werden, wird es morgen eine andere Organisation geben, und die wird schlechter sein."

Autor: Oliver Ramme
   
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