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15.7.1971: Nixon kündigt China-Reise an
Nixon: "Die Ankündigung, die ich nun verlesen werde, wird gleichzeitig in Peking und in den Vereinigten Staaten ausgestrahlt. Wie ich bei verschiedenen Anlässen in den vergangen Jahren dargelegt habe, kann es keinen stabilen und dauerhaften Frieden geben, ohne dass daran die Volksrepublik China beteiligt ist. Aus diesem Grunde habe ich verschiedene Initiativen eingeleitet, um für eine Verbesserung der Beziehungen unserer beiden Länder die Tür zu öffnen. In Verfolgung dieses Zieles habe ich Dr. Kissinger auf seiner gegenwärtigen Weltreise nach Peking entsandt. Premierminister Tschou En Lai hat im Auftrag der Volksrepublik China eine Einladung an Präsident Nixon ausgesprochen, China im nächsten Jahr zu besuchen. Präsident Nixon hat diese Einladung gern angenommen."

Als Präsident Nixon am 15. Juli 1971 der staunenden Welt ankündigte, nach China reisen zu wollen, war das eine politische Sensation. Nie zuvor war ein US-amerikanischer Präsident in die Volksrepublik China gereist.

Dass er damit nicht nur zu Hause, sondern auch international neben Zustimmung auch Misstrauen ernten würde, war Nixon natürlich bewusst. Daher fügte er, an Europa und vor allem an Moskau gewandt, hinzu:

"Die unvermeidlichen Spekulationen vorwegnehmend, die diese Ankündigung hervorrufen wird, möchte ich unsere Politik ganz klar darstellen. Unser Versuch, ein neues Verhältnis zur Volksrepublik China zu schaffen, wird nicht auf Kosten unserer Freunde gehen. Unsere Politik ist nicht gegen irgendeine Nation gerichtet. Wir möchten freundliche Beziehungen zu allen Nationen. Jede Nation kann mit uns befreundet sein, ohne dazu jemand anderes Feind zu werden."

Dieser Hinweis zeigt, wie vorsichtig Nixon sein musste, als er seine diplomatische Initiative startete. Und nicht zufällig hat er dann auch im selben Jahr, 1972, noch die UdSSR besucht. So konnte er allen Spekulationen, hier würde eine neue Allianz gegen die Sowjetunion geschmiedet, begegnen. Allerdings war dem Präsidenten durchaus klar, dass mit seinem Besuch in China nicht gleich ein neues Zeitalter beginnen würde:

Nixon: "Wir geben uns nicht der Illusion hin, zwanzig Jahre feindseliger Haltung könnten hinweggewaschen werden durch eine Woche Gespräche, die wir dort führen werden."

Innenpolitisch stand Nixon 1971 mit dem Rücken zur Wand. In den Umfragen geriet er mehr und mehr gegen seine demokratischen Kontrahenten Edmund Muskie und George Mc Govern ins Hintertreffen. In dieser Situation war er besonders auf einen außenpolitischen Befreiungsschlag angewiesen.

Doch innenpolitisch blieb der 37. Präsident der Vereinigten Staaten weiter ohne Fortune. Nicht zuletzt sein überzogener Ehrgeiz ließ ihn in der Watergate-Affäre scheitern. Diese "Mutter aller Polit-Skandale" kostete Nixon nur drei Jahre später Amt und Ansehen. In seiner Rücktrittsrede fasste Richard Nixon die Grundzüge seiner Außenpolitik zwischen Moskau, Peking und Vietnam so zusammen:

Nixon: "Wir haben Amerikas längsten Krieg beendet. Doch nun müssen wir eine Struktur des Friedens schaffen, damit später von dieser Generation Amerikas gesagt wird: Sie haben nicht nur einen Krieg beendet, sondern zukünftige Kriege verhindert."

Als Richard Milhouse Nixon am 22. April 1994 starb, waren seine außenpolitischen Verdienste allgemein anerkannt und gewürdigt. Zum Zeitpunkt seines Todes waren ungewöhnlich viele seiner Nachfolger noch am Leben. Sie alle, Ford, Carter, Reagan, Bush, auch der Demokrat Clinton hoben Nixons Friedensdiplomatie in Nahost und in Vietnam hervor und natürlich auch sein Verdienst, China den Weg in die Weltpolitik geebnet zu haben.

Am deutlichsten brachte Jimmy Carter auf den Punkt, was Nixon erreicht hatte, als er am 15. Juli 1971 ankündigte, er würde im Jahr darauf die Volksrepublik China besuchen:

Carter: "Seine historischen Besuche in China und der Sowjetunion haben den Weg zu einer Normalisierung der Beziehungen unserer Staaten bereitet und natürlich zu den SALT II-Vereinbarungen, die wir mit den Sowjets unterzeichnet haben."

Autor: Dirk Ulrich Kaufmann
   
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