Kalenderblatt dw.com
 
18.7.1870: Papst unfehlbar
Für alle normalen Menschen ist "Unfehlbarkeit" ein gewaltiges Wort. Nur allzu gut weiß wohl jeder um seine kleinen Fehler und großen Schwächen. Beim Papst ist das ganz anders - natürlich. Doch der oberste Hirte der katholischen Kirche als ein Übermensch, sündenlos und allwissend? In bestimmten Situationen schon, sagen die Bischöfe:

"Wenn der römische Bischof in höchster Lehrgewalt spricht, das heißt, wenn er seines Amtes als Hirte und Lehrer aller Christen waltend in höchster apostolischer Amtsgewalt endgültig entscheidet, (...) so besitzt er aufgrund des göttlichen Beistandes, der ihm im heiligen Petrus verheißen ist, jene Unfehlbarkeit, mit der der göttliche Erlöser seine Kirche bei endgültigen Entscheidungen in Glaubens- und Sittenlehren ausgerüstet haben wollte."

Das von Papst Pius IX. einberufene erste Vatikanische Konzil definiert das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes. Am 18. Juli 1870 wird das Konzilsdokument "Pastor Aeternus" verabschiedet. Es erklärt, dass der Papst die oberste Gerichtsbarkeit über die ganze Kirche besitzt und dass er hiermit von einem Irrtum in seinen Lehren befreit ist.

Eine umstrittene These, die von Kritikern eher auf Machtansprüche des damaligen Papstes Pius IX. zurückgeführt wird, als auf einen biblisch begründeten Hintergrund; auch wenn an einen Lehrsatz, der unter die Unfehlbarkeit fällt, Bedingungen geknüpft sind: z.B. darf es in sekundären Fragen durchaus verschiedene Auffassungen geben.

Nur wenn es zu Streitfragen kommt, die die Substanz des Glaubens bedrohen oder sich auf Grundsätze der Moral beziehen, ist der Papst die oberste und letzte Instanz vor Gott und dann tritt das Unfehlbarkeitsdogma in Kraft. Damit ist klar, dass Gott die grundsätzlichen und wichtigen Entscheidungen nicht fehlgehen lässt. Politische oder gar naturwissenschaftliche Entscheidungen fallen nicht unter das Unfehlbarkeitsdogma.

Der Beschluss des Konzils stellt den Papst jetzt per Dekret in die Nachfolge von Petrus, als dem Ersten unter den Jüngern. Denn das Neue Testament schreibt Simon Barjonas, genannt "Petrus", eine besondere Stellung unter den Aposteln zu. Jesus stattet ihn mit besonderen Vollmachten aus: Er wird oberster Richter und Schlüsselbewahrer für das kommende Himmelreich.

Im Neuen Testament ist keine direkte Amtsnachfolge für Petrus ausgesprochen. Diese entwickelt sich erst in der Tradition der katholischen Kirche. Im Verlauf der Verbreitung des christlichen Glaubens vor 2000 Jahren übernimmt der Bischof von Rom, dem damaligen Zentrum der Welt, die Funktion des Oberhirten: Er wird nun oberster Richter und Schlüsselbewahrer auf dem Stuhl Petri.

Der Papst erhält seine Aufgabe. Und da eine in direkter Folge biblischer Aufgaben ausgeführte Berufung nicht irren kann, gilt der Papst knapp 1900 Jahre später als unfehlbar. Um seinem Beschluss Nachdruck zu verleihen, scheut das Vatikanische Konzil keine verbindlichen Aussagen.

"Wer also sagt, der selige Apostel Petrus sei nicht der von Christus, dem Herrn, eingesetzte Fürst aller Apostel und das sichtbare Haupt der ganzen irdischen Kirche; oder derselbe habe (...) nicht den wahren und eigentlichen Jurisdiktionsprimat von ebendiesem unserem Herrn Jesus Christus direkt und unmittelbar empfangen, der sei mit dem Anathema, dem Kirchenausschluss belegt."

Als direkte Reaktion auf die Papstdogmen des ersten Vatikanischen Konzils treten zahlreiche Katholiken aus der katholischen Kirche aus. Hauptgegner und geistiger Führer der Opposition ist der Theologe und Kirchenhistoriker Ignaz von Döllinger, ein deutscher Theologieprofessor. Er sieht eine Unfehlbarkeit des Papstes weder biblisch noch kirchengeschichtlich begründet. Nur ein Jahr später - 1871 - wird der prominenteste Kritiker des Dogmas öffentlich exkommuniziert.

Autorin: Barbara Fischer
   
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Was man im Großen nicht kann, soll man im Kleinen nicht unversucht lassen.
  > Adolf Kolping
> RSS Feed
  > Hilfe
Welcher Schauspieler erhielt für den Film "Das Urteil von Nürnberg" einen Oscar?
  Maximilian Schell
  Horst Buchholz
  O.W. Fischer