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21.7.1954: Waffenstillstand für Indochina
Pierre Mendès-France: "Vernunft und Frieden haben gesiegt."

Mit diesen Worten verkündete der französische Premierminister Pierre Mendès-France am 21. Juli 1954 als Ergebnis der Genfer Indochina-Konferenz einen Waffenstillstand, nachdem Anfang Mai des Jahres das Ende der französischen Kolonialherrschaft in Vietnam mit der Niederlage von Dien Bien Phu eingeläutet worden war.

Fast zwei Monate wurde in Genf verhandelt. Neben der Sowjetunion, Frankreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten betrat erstmals nach dem Sieg der Kommunisten auch eine chinesische Delegation unter Leitung von Außenminister Tschou En-lai offiziell die Bühne der internationalen Politik.

Vietnam war durch zwei Delegationen vertreten: einer Gesandtschaft des herrschenden Bao Dai-Regimes, sowie für die Demokratische Republik Vietnam Vertreter der Viet Minh mit Premierminister Pham Van Dong an der Spitze.

Der US-amerikanische Außenminister Dulles weigerte sich, seinem chinesischen Amtskollegen die Hand zu geben. Nur ein Autounfall, erklärte er vor der Presse, könne ihn in Kontakt mit Tschou-En-lai bringen. Nach vier Tagen reiste Dulles wieder ab. Die Amerikaner beteiligten sich lediglich als Beobachter, einer von ihnen war Alexis Johnson.

Alexis Johnson: "Ich sollte mich an den Beratungen nicht beteiligen und keiner Sache zustimmen. Ich sollte nur am Tisch sitzen. Das war eine schwere Aufgabe, einfach nur dazusitzen, die Verhandlungen nur zu verfolgen, wo dann Vereinbarungen getroffen wurden, denen man nicht zustimmte."

In der Schlusserklärung der Konferenz wurden Kambodscha, Laos und Vietnam Souveränität, Unabhängigkeit und Einheit zugesichert. Der 17. Breitengrad wurde als provisorische Grenze zwischen Süd- und Nordvietnam festgelegt. Weiter verpflichteten sich die Unterzeichner zur Abhaltung gesamtvietnamesischer Wahlen innerhalb von zwei Jahren.

Die USA verpflichteten sich in einer Zusatzerklärung zum Verzicht auf jede gewaltsame Intervention in Vietnam. Was Südvietnam und die Vereinigten Staaten von den Vereinbarungen hielten, beschreibt rückblickend Alexis Johnson so:

Alexis Johnson: "Die südvietnamesische Delegation machte klar, dass sie Wahlen nach zwei Jahren nicht zustimmen würden. Genauso wenig wie wir. All das Gerede, dass wir oder Südvietnam die Genfer Vereinbarungen verletzt hätten, stimmt nicht. Wir haben sie nicht unterschrieben, also konnten wir sie auch nicht verletzen."

Ihre Weigerung, dem Waffenstillstand und dem Teilungsbeschluss mit ihrer Unterschrift offiziell zuzustimmen, zeigt für den damaligen nordvietnamesischen Premierminister Pham Van Dong, dass die Amerikaner von Anfang an gegen die Konferenz waren und alles taten, um einen erfolgreichen Abschluss zu verhindern.

Aber auch die Viet Minh waren nur unter dem starken Druck der Sowjetunion und der chinesischen Führung bereit, den Ergebnissen der Genfer Konferenz zuzustimmen. Die einzige Forderung, die sie hatten durchsetzen können, war die Zusicherung, dass der Kampf um die Macht in Vietnam nicht mehr mit militärischen Mitteln, sondern auf der politischen Ebene ausgetragen werden sollte. Die Viet Minh waren mit Recht zuversichtlich, dass sie die vorgesehenen Wahlen in ganz Vietnam gewinnen würden.

Allen Beteiligten der Indochinakonferenz war klar, dass die Genfer Beschlüsse nur einen Waffenstillstand darstellten, nicht aber die Beendigung des Konflikts, zumal das Eintreten der Amerikaner für die Wahlen nicht mehr als ein Lippenbekenntnis war. Präsident Eisenhower und sein Außenminister verbanden 1954 die Vereinigten Staaten untrennbar mit dem Schicksal Südvietnams.

Nach der französischen Niederlage von Dien Bien Phu rückten die USA an Frankreichs Stelle und beschlossen, für die Sicherheit von Südvietnam, Laos und Kambodscha einzustehen. Damit war die Grundlage für das spätere aktive Eingreifen der Amerikaner in die längste militärische Auseinandersetzung im 20. Jahrhundert gelegt.

Autor: Michael Kleff
   
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